Kandidatenvorstellung

Jungparlamentarier in Grenzach-Wyhlen wollen einen Treffpunkt und mehr Öko

Rosa Di Nardo

Von Rosa Di Nardo

Sa, 10. Oktober 2020 um 19:15 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Zur Vorstellung der Kandidaten für das Jugendparlament in Grenzach-Wyhlen kommen nur vier Besucher. Dafür gibt es viele interessante Vorschläge.

Es ist 17 Uhr. Die Kandidaten für das zweite Grenzach-Wyhlener Jugendparlament (Jupa) sind bereit, sich vorzustellen. Die Besucher sollen in fünf Stuhlkreisen sitzen, während die Kandidaten von Kreis zu Kreis rotieren. Einziges Problem: Die Besucher bleiben aus. Nur vier sind gekommen, drei von ihnen Erwachsene. Selbst von den elf Kandidaten sind nur acht im Haus der Begegnung erschienen, zwei von drei Fehlenden hatten sich abgemeldet.

Noch bis Mittwoch können die 1220 Jugendlichen in Grenzach-Wyhlen zwischen zwölf und 21 Jahren ihr neues Jugendparlament wählen. Zunächst hatten sich nicht genug Kandidaten gefunden, nun erklären die Bewerber ihre Motivation: "Jugendinteressen entsprechen nicht unbedingt den Interessen der Erwachsenen", sagt Tobias von Möllendorff. "Es soll nicht immer heißen, die Jugend würde sich nicht engagieren", wirft Svenja Ranke ein. "Außerdem handelt es sich bei den Entscheidungen der Gemeinde um Dinge, die uns betreffen", ergänzt Marion Lindemann.

Zwei Schwerpunkte

In der Vorstellungsrunde wird deutlich, dass die Jugendlichen sich alle auf zwei Schwerpunkte konzentrieren: Einen Treffpunkt für die Jugend und den Umweltschutz. Felix Hutschenreuter etwa sagt: "Ich möchte mich für eine Freizeitanlage für Jugendliche einsetzen." Am jetzigen Standort, dem Bauwagen in Wyhlen, wolle er sich für längere Öffnungszeiten einsetzen. "Weitere Treffpunkte für Jugendliche könnten in der Neuen Mitte Wyhlen entstehen."

"Wir brauchen mehr Plätze", appelliert auch Alessandro Boccuzzi. Der Fußballrasen beim Sportplatz in Wyhlen werde nicht genutzt. Dort oder am Rhein könne man Treffpunkte schaffen. "Man muss nicht gleich ein ganzes Gebäude bauen", sagt Tobias von Möllendorff. "Die Plätze auszubauen, an denen sich Jugendliche bereits aufhalten, wäre cool." Auch der Freifunk solle ausgeweitet werden.

Auch mehr Mülleimer am Rheinufer werden gefordert

Die Jugendlichen wollen Veranstaltungen organisieren und verweisen auf bisherige Projekte wie "Jupa & Stockbrot" oder Kinoabende. Für Sina Kowatzki steht der Austausch mit älteren Generationen im Vordergrund: "Ich will Vorurteile gegenüber der ‚Jugend von heute‘ abbauen." Abgesehen davon seien die Älteren schlussendlich diejenigen mit der Entscheidungsmacht, deshalb sei eine gesunde Kooperation unerlässlich.

Auch mehr Mülleimer am Rheinufer werden gefordert. "Grenzach-Wyhlen ist eigentlich ein schönes Dorf, aber der Müll wirft ein schlechtes Licht", so Boccuzzi. Die Forderung kritisiert Irene Blaha vom Vorstand der BUND-Ortsgruppe: Mehr Mülleimer lüden dazu ein, mehr Müll zu hinterlassen. Interesse zeigt sie an den Klimaschutz-Projekten der Jugendlichen und bietet eine Zusammenarbeit an.

Der Umweltschutz ist das zweite Thema, das alle Kandidaten brennend interessiert. Sie bieten dabei konkrete Ansätze: Tobias von Möllendorff etwa sagt, dass aufgrund der Corona-Pandemie in der Schule die Fenster meistens offen ständen, während die Heizung komplett aufgedreht sei – eine unnötige Energieverschwendung, findet der 17-Jährige.

Schulische Maßnahmen, Recyclingpapier und bessere Mülltrennung, schlägt auch Svenja Ranke vor. Des Weiteren wünscht sie sich Solarpanels auf Gebäuden, während sich Elvis Bejtovic für elektrische Busse und Solarlampen ausspricht. "Jeder will nur so viel machen, dass er gerade so das grüne Image erreicht. Aber wer ist wirklich bereit, Maßnahmen für den Umweltschutz zu ergreifen? Solche Projekte sollten von der Gemeinde bezuschusst werden", meint der jetzige erste Vorsitzende des Jupas.

Auch der Elefant im Raum wird thematisiert

Die zweite Vorsitzende, Charlotte Lindemann, sagt: "Der öffentliche Nahverkehr ist hier der wichtigste Punkt." Viele klimafreundliche Projekte seien teuer, aber man müsse den langfristigen Nutzen erkennen. "Wenn man beispielsweise das Rathaus schneller saniert, spart man Heizkosten, weil es besser isoliert ist."

Auch der Elefant im Raum wird thematisiert: Die Tatsache, dass kaum jemand zur Kandidatenvorstellung gekommen ist. In Zukunft, darüber sind sich die Kandidaten einig, müsse man ein Konzept zur Interaktion mit Jugendlichen erarbeiten und in den Schulen auf sich aufmerksam machen. Das Jupa findet seine Arbeit wichtig, denn es bündelt die Interessen junger Menschen: "Die Meinung der Jugendlichen wird gehört, indem sie sich an das Jupa wenden und dieses die Forderungen umsetzt", meint Marion Lindemann.