Auftragseingänge gehen zurück

"Kalte Dusche" für die deutsche Industrie

Friederike Marx

Von Friederike Marx (dpa)

Do, 06. Februar 2020 um 19:03 Uhr

Wirtschaft

Entgegen den Erwartungen hat sich die Auftragsflaute in der deutschen Industrie im Dezember fortgesetzt

Kalte Dusche für die deutsche Industrie zum Ende des Jahres 2019: Die Auftragsflaute hat sich im Dezember fortgesetzt. Die Zahl der neuen Bestellungen sank im Monatsvergleich um 2,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Gegenüber dem Vorjahresmonat verringerten sich die Aufträge um 8,7 Prozent. Nach Einschätzung von Volkswirten ist das kein gutes Vorzeichen für das laufende Jahr.

"Bei dieser schwachen Industriekonjunktur dürfte auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im ersten Quartal 2020 verhalten bleiben", sagte Nils Jannsen vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel.

Die exportorientierte deutsche Industrie leidet unter der Abkühlung der Weltkonjunktur, internationalen Handelskonflikten und Unsicherheiten wegen des Brexits. Schwächelnde Exporte und die Rezession in der Industrie dämpften das Wirtschaftswachstum in Deutschland insgesamt. Im vergangenen Jahr war Europas größte Volkswirtschaft ersten Daten zufolge nur noch um 0,6 Prozent gewachsen. Ähnlich schwach war das Wachstum zuletzt vor sechs Jahren.

Im Schlussquartal 2019 dürfte das Bruttoinlandsprodukt nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes "geringfügig" gestiegen sein. Genauere Daten will die Behörde am kommenden Freitag, 14. Februar, bekannt geben. Nach Einschätzung der Bayern-LB dürfte die Konjunktur auch im ersten Quartal 2020 schwach bleiben.

"Trübes Jahr" für die Maschinenbauer

Commerzbank-Experte Ralph Solveen nannte die Dezember-Daten "eine kalte Dusche", nachdem zuletzt wichtige Stimmungsindikatoren aus der deutschen Wirtschaft Hoffnung auf bessere Zeiten geweckt hatten. 2020 werde für die deutsche Wirtschaft ein sehr schwieriges Jahr, sagte Solveen voraus.

Deutlich zu spüren bekamen die Maschinenbauer die globalen Turbulenzen. Verunsicherte Kunden hielten sich 2019 mit Bestellungen zurück. Die Aufträge sanken gegenüber dem Vorjahr preisbereinigt um 9 Prozent, wie der Branchenverband VDMA mitteilte. "Zusammengefasst war 2019 ein konjunkturell trübes Jahr für den Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland", sagte VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann.

Auch am Jahresende zeigte sich keine Besserung. Im Dezember stand in den Orderbüchern der exportorientierten deutschen Schlüsselindustrie ein Minus von 7 Prozent. Auch wenn der Rückgang unter dem Jahresschnitt lag, "der Dezember war ein magerer Monat", sagte Wortmann.

Auch in diesem Jahr erwartet die mittelständisch geprägte Branche mit mehr als einer Million Beschäftigten keine durchgreifende Besserung. Der VDMA ging zuletzt davon aus, dass die Produktion bereinigt um Preiserhöhungen (real) um etwa zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr schrumpfen dürfte nach einem Rückgang von ebenfalls rund zwei Prozent im Jahr 2019. Die Folgen für den Arbeitsmarkt halten sich bislang in Grenzen. Im November wurden 1,064 Millionen Beschäftigte im Maschinenbau gezählt, das waren 0,3 Prozent weniger als im Vorjahr.