Kampf ums Regenbogentrikot im Val di Sole

Lynn Sigel

Von Lynn Sigel

Do, 26. August 2021

Mountainbike

Luca Schwarzbauer und Nina Benz gewinnen zum Auftakt der Mountainbike-Weltmeisterschaft Bronze im Teamwettbewerb / Brandl hofft auf Shorttrack- Medaille.

Im italienischen Trentino geht es bei der Weltmeisterschaft der Mountainbiker bis Sonntag um die Regenbogentrikots. Aus der Region machen sich die Lexware-Biker David List und Martin Vidaurre, der bei Olympia auf Rang 16 kurbelte, Medaillenhoffnungen. Ihr Teamkollege Max Brandl, in Tokio auf Rang 21, könnte im Shorttrack Edelmetall einfahren. Im Teamwettkampf gewann die deutsche Staffel um Lexware-Fahrer Luca Schwarzbauer und die Wahl-Freiburgerin Nina Benz am Mittwoch WM-Bronze.

.
Der Austragungsort der Weltmeisterschaft, Val di Sole, ist ein Klassiker in der Mountainbike-Szene. Bereits zum dritten Mal in 13 Jahren werden die Regenbogentrikots hier vergeben. Dementsprechend ist auch die Strecke ein WM-würdiger Parcours, gespickt mit Wurzelpassagen und Steinfeldern. Technisch anspruchsvoll geht es auch in Teilen des Bikeparks zu, der in die Strecke integriert wurde.

Zum WM-Auftakt holte sich Luca Schwarzbauer mit der deutschen Staffel die Bronze-Medaille.

"Ich bin noch nie so

schnell eine Abfahrt

runtergeheizt."

Luca Schwarzbauer über Bronze
Schwarzbauer ging am Mittwoch als Schlussfahrer ins Rennen und fuhr in 12:32 Minuten die drittschnellste Zeit aller Starter. Im sogenannten "Team-Relay" treten aus jeder Altersklasse ein Sportler und eine Sportlerin an. Die deutsche Nationalmannschaft startete mit U-23-Fahrer Leon Kaiser, gefolgt von Junior Paul Schehl und Juniorin Sina van Thiel. Die jüngsten Deutschen fuhren so gegen Elitefahrer und U-23-Starter der anderen Nationen und gerieten, wie einkalkuliert, zuerst in Rückstand. So startete Elitefahrerin Nina Benz, die in Freiburg studiert, an Position acht in den Teamwettkampf, teilte ihr Rennen gut ein, fuhr die Lücken zu und übergab an U-23-Fahrerin Ronja Eibl aus dem schwäbischen Grosselfingen. Die Olympiastarterin von der Alb arbeitete sich bis auf den zweiten Platz hinter den führenden Franzosen nach vorn.

Schlussfahrer Luca Schwarzbauer vom Kirchzartener Lexware-Team wurde dann zum Gejagten und in der zweiten Runde durch den Amerikaner Riley Amos überholt. Schwarzbauer blieb im Kampf um Silber hartnäckig am Hinterrad und des US-Boys setzte vor der finalen Abfahrt zum Überholmanöver an. Doch das Absperrband kam schneller als gedacht und bremste ihn aus. "Ich bin noch nie so schnell eine Abfahrt runtergeheizt", so Schwarzbauer. Am Ende fehlten zwei Meter, die er im Zielsprint gegen U-23-Fahrer Amos, der die schnellste Zeit des gesamten Rennens fuhr, nicht mehr aufholen konnte. Die erste kleine Enttäuschung wich rasch: "Bronze ist riesig", freuten sich Luca Schwarzbauer und Ninaz Benz.

Im von Daniel Berhe geleiteten Lexware-Mountainbiketeam darf man sich begründete Hoffnungen machen, dass nach dem Junioren-Weltmeistertitel 2020 durch Lennart Krayer an diesem Donnerstag ein weitere Medaille möglich ist. Sowohl David List als auch Martin Vidaurre standen in dieser Saison bei internationalen Rennen schon auf dem U23-Podium – List zuletzt Mitte August bei der Europameisterschaft, bei der er die Bronzemedaille gewann. Die Strecke im Bikepark Val di Sole ist geprägt von vielen technisch anspruchsvollen Passagen bergauf und bergab – und damit ganz anders als der schnelle EM-Kurs in Serbien.

David List geht mit einem "sehr guten Gefühl" ins Rennen. "Ich hoffe, an die Leistung bei der EM anknüpfen zu können", so der 21-jährige Student. Teamkollege Martin Vidaurre wurde in der bisherigen Weltcup-Saison zwei Mal Zweiter und ist dementsprechend motiviert. Der Chilene steht seit einigen Jahren beim Team Lexware unter Vertrag und trainiert während der Sommer-Monate in Freiburg. Erstmals werden in Val di Sole auch Weltmeistertitel im Shorttrack vergeben. Bei dieser Disziplin wird 20 Minuten lang auf einer verkürzten Runde gefahren. Maximilian Brandl (Lexware) und Niklas Schehl (Team Bulls) qualifizierten sich am Dienstag für das Finale am Donnerstag. Während Brandl, bei den Olympischen Spielen auf Rang 21 notiert, bereits mehrere Top-fünf-Ergebnisse im Weltcup in der schnellen Disziplin verbuchen konnte, war es Schehls Shorttrack-Premiere. In ihrem Vorlauf fuhren beide ein kontrolliertes Rennen und sicherten sich ihren Finaleinzug ungefährdet. Brandl wird aus der zweiten Reihe ins Rennen gehen. "Eine gute Position, alles ist drin", sagte der 24-Jährige. "Ich freu’ mich drauf und möchte an meine bisherigen Ergebnisse anknüpfen."

Nina Benz geht im Eliterennen der Frauen an den Start. Die technisch anspruchsvolle Strecke liegt der Freiburger VWL-Studentin. "Das ist genau mein Ding." Benz konnte beim Weltcup im französischen Les Gets bereits eine Top-15-Platzierung einfahren, bei der EM fuhr sie mit der Staffel zu Bronze. Ihre Resultate verbesserten sich von Rennen zu Rennen, die 22-Jährige arbeitete sich mittlerweile in die Top-40 der Weltrangliste vor.
Im Elite-Rennen der Männer starten neben Schehl und Brandl auch Luca Schwarzbauer und Georg Egger (beide Lexware) für Deutschland. Beide haben gute Erinnerungen an Val di Sole, wo sie beim Weltcuprennen 2019 die Plätze 21 und 22 in ihrem ersten Elite-Jahr belegten. Egger überraschte bei der EM mit einem starken achten Platz, Schwarzbauer fährt eine konstant gute Saison und hofft auf eine Platzierung in den Top-15.

Bei den Junioren starten Ben Schweizer aus Bollschweil (Stop & Go Marderabwehr) und Finja Lipp (Rheinfelden). Schweizer fuhr bei der EM zuletzt ebenfalls auf den Bronzerang, Lipp wurde Vierte. Der noch amtierende Juniorenweltmeister Lennart Krayer vom Kirchzartener Lexware-Team, der im vergangenen Oktober bei der WM im österreichischen Leogang ins Regenbogentrikot fuhr, kann nicht an den Start gehen, wenngleich er mittlerweile in der U23-Kategorie fährt. Krayer verletzte sich bei einem schweren Trainingssturz an Schlüsselbein und Milz und musste die Saison vorzeitig beenden.