Insekten

Wie die Gemeinden im Kandertal Käfer schützen

Regine Ounas-Kräusel und Moritz Lehmann

Von Regine Ounas-Kräusel & Moritz Lehmann

Sa, 15. Juni 2019 um 09:00 Uhr

Kandern

Die Biodiversität ist bedroht: Welche Rolle der Schutz von Insekten für die Kandertalgemeinden spielt und was sie dafür tun.

Die Insekten verschwinden aus der Landschaft, obwohl sie für die Natur und auch für die Ernährung der Menschen von großer Bedeutung sind. Die Badische Zeitung widmet diesem Thema eine Miniserie. Im dritten Teil haben wir die Verantwortlichen im Kandertal gefragt, wie es den Insekten in ihren Gemeinden geht und ob sie etwas zu deren Schutz unternehmen.



Wittlingen
"Mir ist schon seit zwei Jahren aufgefallen, dass die Insekten abnehmen, als noch kein Mensch vom Insektensterben gesprochen hat", sagt der Wittlinger Bürgermeister Michael Herr. Beobachtet hat er dies in seinem Privatgarten, in dem sich Eidechsen, Blindschleichen und auch vielfältige Insekten wohlfühlen. Beim Neujahrsempfang hatte er angekündigt, dass er etwas für die Insekten tun will. Nun will er auf einem Grundstück oberhalb von Wittlingen eine Wildblumenwiese ansäen und auch Lebensraum für Eidechsen schaffen. Die Arbeitsgruppe Naturschutz Markgräflerland wird zunächst den fetten, nährstoffreichen Boden abmagern. Denn nur auf mageren Böden gedeihen Wildpflanzen und werden nicht von den Gräsern verdrängt. Gerne würde Bürgermeister Herr über die Gemeinde weitere Grundstücke ankaufen, um Wildblumenwiesen anzulegen.



Malsburg-Marzell
"Wir sind eine ländlich geprägte Gemeinde", sagt Mario Thomas Singer, Bürgermeister von Malsburg-Marzell. Auf der Gemarkung mit Weideland, Streuobstwiesen und Wald lebten zahlreiche Insekten, darunter Schmetterlinge wie der Kleine Fuchs und sicher 30 Wildbienen- und Hummelarten, schätzt der Forstwissenschaftler. Diese Landschaft will die Gemeinde – nicht nur wegen der Insekten – erhalten und mäht daher einen Teil der Wiesen selbst. Singer berichtet, dass es leider nur noch ein knappes Dutzend Landwirte gebe, die im Nebenerwerb Streuobstwiesen pflegten und Vieh auf der Weide hielten und damit die Landschaft offen hielten. Um sie zu unterstützen, bezuschusse die Gemeinde die regionalen Schlachthäuser in Sitzenkirch und Wies. Außerdem wolle man als Ausgleich für die Baugebiete in Malsburg und an der Alten Schule Vogelbach Streuobstbäume pflanzen und eine Friedhofsmauer für Insekten und Eidechsen aufwerten.

Binzen
Seit mehreren Jahren pflegen Winzer und Bauern, Jäger, Naturschützer und auch der Binzener Arbeitskreis Jugend gemeinsam Weinbergböschungen. Dabei haben sie auch schon Sträucher gepflanzt, die Rückzugsmöglichkeiten für Hasen, Vögel und andere Tiere bieten und deren Blüten Insekten ernähren. Die Gemeinde hat diese Sträucher bezahlt. Auch als Binzener Bürger 2013 auf einem Baugrundstück und am Autobahnzubringer zwei Wildblumenwiesen anlegten, bezahlte die Gemeinde das Saatgut. Inzwischen sind die Grundstücke allerdings mit einem Haus und einer Reinigungsanlage für Regenwasser bebaut. Bürgermeister Andreas Schneucker verweist außerdem auf die geplanten Ausgleichsmaßnahmen im Zuge der Bebauung des Sportareals als neues Wohngebiet: "Wir machen mehr als gesetzlich vorgeschrieben", versichert er.

Schallbach
Schallbachs Bürgermeister Martin Gräßlin weist auf ein Kleinod hin: das flächenhafte Naturdenkmal Läufelberg auf den Gemarkungen Schallbach, Fischingen und Efringen-Kirchen. In der besonnten Lösswand oberhalb von Weinbergen brüten 47 Wildbienenarten, darunter fünf stark gefährdete und seltene Arten. Aufmerksame Spaziergänger können im Frühsommer an der Wand feinen Lössstaub spritzen sehen. Dann bohren Wildbienen dort Gänge, um ihre Eier hineinzulegen. Um die Pflege kümmert sich die Naturschutzbehörde des Landratsamtes. Der NABU bietet Exkursionen dorthin an und hat eine Infotafel über Wildbienen aufgestellt. Die Gemeinde Schallbach pflegt Gräßlin zufolge Wegraine, Straßenborde und Grünflächen, etwa am Sportplatz, und mäht dabei möglichst spät, damit die Pflanzen blühen können.

Kandern
"Wir verwenden keine Herbizide", sagt Hanspeter Amann, Stadtbaumeister in Kandern. Unkraut in den städtischen Grünflächen flamme man ab, mit Ausnahme von schwer zugänglichen Ecken auf dem Friedhof. Bei der Pflege von Bach, Weg- und Straßenrändern sowie Spiel- und Sportplätzen lasse man Wiesen so lange hoch stehen, bis sie abgeblüht seien. Außerdem stelle man Insektenhotels auf. Anstatt Rabatten jedes Jahr neu mit Wechselflor zu bepflanzen, setze man an markanten Stellen Stauden, die jedes Jahr wieder blühen, etwa am Ortseingang.

Rümmingen
In Rümmingen setzt man Bürgermeisterin Daniela Meier zufolge insbesondere auf die Kleinsten: Seit 2015 ist die Grundschule Rümmingen Teil des Netzes der zertifizierten Naturparkschulen im Naturpark Südschwarzwald. Das spielerische Kennenlernen der heimischen Natur sei fester Bestandteil des Lehrplans. Dabei spielten auch die Insekten eine Rolle: So betätigen sich die Zweitklässler etwa als "Wiesenforscher". Und auch der Kindergarten entwickle sich mit dem Umbau mehr und mehr in diese Richtung. Die Idee sei dabei, so Meier, dass die Kleinsten die Natur schätzen lernten und infolgedessen später zu deren Schutz beitrügen.