Studie

Kann die Vogellausfliege Erreger auch auf den Menschen übertragen?

Herbert Frey

Von Herbert Frey

Fr, 14. August 2020 um 09:18 Uhr

Weil am Rhein

Die Vogellausfliege kann Krankheiten auf Vögel übertragen. Auch auf Menschen? Das soll eine Studie untersuchen. Teil davon ist die Mauersegler-Kolonie unter dem Dach eines Schulhauses in Weil am Rhein.

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden hat ein Untersuchungsprojekt zur Lausfliege gestartet, an dem auch die Tschamber-Schule mit ihrer Mauersegler-Kolonie beteiligt ist. Dabei geht es um Vogellausfliegen als Überträger von Krankheitserregern. Ziel des Projektes ist es, mittels molekularbiologischer Methoden festzustellen, in welchem Umfang bestimmte Erreger in den Parasiten vorkommen, die nicht nur für die Vögel, sondern auch für den Menschen unter Umständen gefährlich werden könnten.

Lausfliegen saugen Blut von ihren Wirten und können, wie viele Blutsauger, Krankheitserreger übertragen. Bei Zugvögeln hat das interkontinentale Auswirkungen, die nun untersucht werden sollen. Die Projektleiter Professor Markus Freick und Professor Matthias Jentzsch haben dafür Vogelberinger in ganz Deutschland um Mithilfe gebeten, darunter auch Armin Wikmann, der seit 1996 die Mauerseglerkolonie unter dem Dachvorsprung des Schulhauses beobachtet, beringt und betreut.

Kolonie brütet menschennah

Diese Kolonie, über die er immer wieder auch die Kinder sachkundig und spannend informiert, ist geradezu prädestiniert, um an diesem Lausfliegenprojekt teilzunehmen, weil sie menschennah brütet.

Die Ergebnisse des Projekts sollen zu Hinweisen und Lückenschlüssen bei der Eindämmung von human- und veterinärhygienisch relevanten Epidemien beitragen. Aufgrund ihres hohen zoonotischen Potenzials werden konkret drei virale Erreger (West-Nil-Virus, Usutu-Virus und Sindbis-Virus) für die Untersuchungen ausgewählt. Zusätzlich sollen die gesammelten Lausfliegen auf bakterielle Pathogene untersucht werden.

Lausfliegen werden in Dresden untersucht

Wie jedes Jahr, hat Wikmann mit Hilfe der Drehleiter der Feuerwehr die beinahe flüggen Jungvögel untersucht, vermessen und beringt. Dabei gelang es ihm, insgesamt sechs Mauersegler-Lausfliegen (Crataerina pallida) sowie eine Alpensegler-Lausfliege (Crataerina melbae) einzufangen. Sie werden nun in einem mit einer speziellen Lösung gefüllten Röhrchen zur Auswertung an die Dresdner Hochschule geschickt. Das Einsammeln war kein ganz einfaches Unterfangen, weil die Lausfliegen versuchten, sich im Gefieder zu verstecken. Sobald die Ergebnisse vorliegen, werden sie den Beteiligten übermittelt. Da dieses ganz Deutschland abdeckende Projekt 2021 weiterläuft, ist so schnell aber nicht damit zu rechnen.

Bei der Beringung kontrollierte Wikmann übrigens auch einen Mauersegler, der 2016 in Weil geschlüpft war. Er kehrt offenbar nach der Überwinterung in Afrika stets an den Ort seiner Kindheit zurück, um unter dem Dach der Tschamber-Schule selbst erfolgreich zu brüten.