Tatort Taubergießen

Unbekannte stehlen Hunderte Orchideen im Naturschutzgebiet

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Mo, 06. Mai 2019 um 18:15 Uhr

Kappel-Grafenhausen

Hunderte seltener Spinnenragwurz-Orchideen sind im Naturschutzgebiet Taubergießen ausgebuddelt und mitgenommen worden. Naturschützer sind entsetzt.

Dietmar Keil, Naturschützer, Dokumentarfilmerund Taubergießenkenner aus Offenburg, war am Montagmorgen den Tränen nahe. Mehrere Hundert seltene Orchideen waren im Naturschutzgebiet Taubergießen nahe der Saukopfbrücke bei Kappel ausgebuddelt und mitgenommen worden.

Es war wohl das größte Vorkommen in Deutschland

"Auf einer Fläche von fast einem Hektar ist der Bestand der seltenen Spinnenragwurz-Orchidee fast komplett vernichtet worden. Es war nach unseren Informationen das größte Vorkommen dieser Orchideenart in Deutschland und auch einmalig in Europa. Schon deshalb ist es ein unermesslicher Verlust", erklärte Tochter Silke Keil gegenüber der BZ.

Wildschweine werden ausgeschlossen

Dass die Zerstörung einer Rotte von Wildschweine zuzuschreiben sei, schlossen die Keils aus. "Hier wurde systematisch mit Schaufeln oder Spaten gegraben. Das sieht alles sehr professionell aus. Und hier scheint auch nicht ein Liebhaber am Werk gewesen zu sein, der sich ein paar dieser Orchideen für den heimischen Garten besorgte. Wir vermuten, dass die Wurzeln jetzt übers Internet an Liebhaber verkauft werden," erklärte Silke Keil.

Noch am vergangenen Mittwoch hatte sich Dietmar Keil an gleicher Stelle an der Orchideenpracht erfreuen können und wollte am Montagmorgen Tochter und Freunden diese Pracht zeigen. Dann der Schock für die Naturfreunde.

Der Vorfall wird weiter untersucht

Die Gruppe verständigte sofort Bettina Saier, seit 2017 vom Regierungspräsidium als hauptamtliche Geschäftsführerin für das Naturschutzgebiet bestellt. Sie sicherte Fotos von den Grabungslöchern und leitete eine Untersuchung ein. Auch eine Anzeige gegen unbekannt wurde erstattet. "Noch ist die Situation vor Ort und auch der entstandene Schaden nicht geklärt. Wir werden den Vorfall aber weiter untersuchen lassen", erklärte Markus Adler, Pressesprecher des Regierungspräsidiums, am Montagnachmittag der BZ.

Eine ständige Überwachung des Taubergießen-Gebiets als Reaktion auf die Zerstörung sieht der Sprecher indes nicht: "Hier stellt sich die Frage der Verhältnismäßigkeit und nach den Erfolgschancen".