Bus und Bahn

Kaum noch Chancen für 365-Euro-Ticket für Schüler in Baden-Württemberg

dpa

Von dpa

Mi, 07. August 2019 um 18:02 Uhr

Südwest

Das Verkehrsministerium räumt einem landesweitem 365-Euro-Ticket für Schüler für Bus und Bahn in dieser Legislaturperiode keine Chancen mehr ein. In vielen anderen Bundesländern gibt es Spartickets.

Ob ein solches Ticket für den Südwesten in Betracht komme, müsste sorgfältig geprüft werden, sagte ein Sprecher. In Hessen können Schüler und bald auch Senioren für 365 Euro im Jahr alle Busse, Straßenbahnen, U- und S-Bahnen sowie Regionalzüge im Land nutzen. In anderen Ländern gibt es ähnliche Angebote:

In Bayern hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Ende vergangen Jahres ein 365-Euro-Jahresticket für Jugendliche und Schüler in den Ballungsräumen des Freistaats in Aussicht gestellt. Derzeit werde mit den betroffenen Verkehrsverbünden verhandelt, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Aktuell werde als Start für das Ticket der Schuljahreswechsel 2020/2021 angestrebt.

In Berlin können alle Schüler seit 1. August kostenlos Bus und Bahn fahren. Der Preis für das Azubi-Ticket wurde auf 365 Euro im Jahr reduziert. Senioren können im Abo ein Jahresticket für 593 Euro erwerben. Zum Vergleich: Das preiswerteste reguläre Jahresticket kostet 728 Euro.

In Brandenburg gibt es ein 365 Euro teures Jahresticket für Azubis. In der "Märkischen Allgemeinen" forderte die Brandenburger Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zuletzt ein kostenloses Schülerticket nach Berliner Vorbild.

In Hamburg wird ein 365-Euro-Ticket von der politischen Opposition (CDU/Linke) gefordert. Absehbar gibt es dies unter der rot-grünen Stadtregierung nicht. Bei der jüngst beantragten Preiserhöhung für 2020 wurden Schüler, Azubis, Studenten und Senioren ausgenommen. Eine Schüler-Karte kostet monatlich 41,90 Euro.

In Mecklenburg-Vorpommern können allein in Rostock, der größten Stadt im Land, Schüler vom 12. August an erstmals kostenlos den Nahverkehr nutzen. Ein landesübergreifendes Schülerticket gibt es nicht.

Im Saarland gibt es Schülertickets, die im jeweils eingetragenen Landkreis oder Regionalverband gelten. Wie eine Sprecherin des Verkehrsministeriums sagte, ist ein Tarifreform in Planung. Ein Gutachten schlägt unter anderem ein landesweites Schüler-Ticket für 49 Euro im Monat sowie Preisnachlässe für Geschwisterkinder vor.

In Sachsen zahlen Auszubildende seit 1. August nach längerem Streit zwischen Verkehrsverbünden und Verkehrsministerium weniger Geld für Bus und Bahn. Das Azubi-Ticket kostet 48 Euro pro Monat für einen Verkehrsverbund. Wer in ganz Sachsen unterwegs ist, zahlt maximal 68 Euro. Zum Schuljahr 2020/2021 streben der Freistaat und die Zweckverbände ein ganzjährig gültiges Bildungsticket für Schüler an.

In Sachsen-Anhalt teilen sich zwei Verkehrsverbünde die Beförderung. Im Raum Halle/Leipzig und benachbarten Landkreisen können Schüler zumindest nachmittags und in den Ferien ein Freizeitticket nutzen. Der Mitteldeutsche Verkehrsverbund verlangt dafür 120 Euro im Jahr.

Die rot-rot-grüne Regierung in Thüringen denkt über eine Ausweitung des aktuellen Azubis-Tickets auf Freiwilligendienstler im nächsten Jahr nach. Auszubildende zahlen im Freistaat für den fast landesweit gültigen Fahrschein 50 Euro im Jahr.

Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Niedersachsen bieten keine landesweiten Schülertickets an. Jugendliche in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen können aber ein vergünstigtes Ferienticket nutzen. In Rheinland-Pfalz hat sich der Steuerzahlerbund gegen ein 365-Euro-Ticket ausgesprochen.