Kaum Zeit zum Einspielen

dpa

Von dpa

Mo, 04. Januar 2021

Handball Allgemein

Zehn Tage vor dem WM-Beginn nehmen die deutschen Handballer ihre Vorbereitung auf.

Nach der kurzen Atempause zum Jahreswechsel versammelte Alfred Gislason voller Enthusiasmus seine 20 Auserwählten für die schwierige WM-Mission. Die Vorfreude auf sein erstes Turnier als Handball-Bundestrainer will sich der 61-Jährige weder von der Corona-Krise noch den Personalproblemen nach acht prominenten Absagen trüben lassen. "Wir werden dorthin gehen mit allem, was wir haben, und ich hoffe, dass wir das so entwickeln können, dass die Jungs Spaß haben", sagte Gislason zum Start der Vorbereitung am Sonntag.

Viel Zeit bleibt dem Isländer vor der XXL-Endrunde mit erstmals 32 Mannschaften vom 13. bis 31. Januar in Ägypten nicht, denn zuvor stehen auch noch die beiden EM-Qualifikationsspiele gegen Österreich am Mittwoch in Graz und am kommenden Sonntag in Köln an. "Ich muss wie jeder Nationaltrainer in diesen Zeiten Abstriche machen. Ich bräuchte eigentlich minimal zwei Wochen für die Vorbereitung, jetzt habe ich nur drei, vier Trainingseinheiten", sagte Gislason. Seine Spieler wissen, was auf sie zukommt. "Die Mannschaft ist ganz neu zusammengestellt – da wartet richtig viel Arbeit auf uns", sagte Torwart-Oldie Johannes Bitter (38). Kapitän Uwe Gensheimer (34) erwartet, dass Gislason "viele neue Dinge in kurzer Zeit einbringen möchte. Das wird keine einfache Aufgabe, aber alle Jungs müssen sich so vorbereiten, dass man nicht so viel Zeit in der Halle verbringen muss."

Die größte Baustelle ist die Abwehr, fehlt nach dem freiwilligen Verzicht der Kieler Champions-League-Sieger Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek sowie von Melsungens Akteur Finn Lemke doch der komplette Innenblock, der im Welt-Handball gefürchtet ist. "Da ist etwas weggebrochen, was den Gegnern weltweit Respekt eingeflößt hat", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer.

Im Flensburger Johannes Golla und in Neuling Sebastian Firnhaber vom HC Erlangen stehen nur zwei Spieler im Kader, die in der Bundesliga regelmäßig im Defensivzentrum spielen. "Eine funktionierende Abwehr ist das Erste, was wir hinbekommen müssen", betonte Gislason.

Trotz der vielen Probleme glaubt Gislason an das Team. "Wir haben eine Mischung aus jungen, unerfahrenen Talenten und gestandenen Spielern, die über sehr viel internationale Erfahrung verfügen. Natürlich fehlen uns einige Akteure, aber im Angriff haben wir dennoch eine hohe Qualität", so der Coach. Eine Medaille will er öffentlich zwar nicht als Ziel ausgeben, die DHB-Auswahl von vornherein abschreiben aber auch nicht. "Lasst uns doch erstmal trainieren und spielen", so Gislason. Zwar hätten Top-Nationen wie Titelverteidiger Dänemark, Europameister Spanien, Kroatien und Norwegen klar bessere Karten im Kampf um Edelmetall. "Aber wir sind Deutschland!"

Der deutsche Kader, Tor: Wolff (Kielce/Polen), Bitter (Stuttgart), Heinevetter (Melsungen). Außen: Gensheimer (Rhein Neckar Löwen), Schiller (Göppingen), Reichmann, Kastening. Rückraum: Kühn (alle Melsungen), Dissinger (Vardar Skopje/Nordmazedonien), Böhm (Hannover-B.), (Berlin), Weber (Leipzig), Knorr (Minden), Drux, Michalczik (beide Berlin), Häfner (Melsungen), Schmidt (Bergischer HC), Metzner (Erlangen). Kreis: Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen), Golla (Flensburg-H.), Firnhaber (Erlangen).