Aargau

Kernkraftwerk Leibstadt bleibt fünf Monate ohne Dampf

Roland Gerard

Von Roland Gerard

Mo, 22. Februar 2021 um 11:10 Uhr

Aargau

Ab dem 24. Mai soll das Schweizer Kernkraftwerk Leibstadt einer Revision unterzogen werden. 350 Fachkräfte, die diese durchführen sollen, werden nun doch nicht im deutschen Albbruck untergebracht.

Das vieldiskutierte Containerdorf für externe Revisions-Fachkräfte des Schweizer Kernkraftwerks Leibstadt (KKL) gegenüber Waldshut soll nun auf dem Betriebsareal errichtet werden. Dies hat das Unternehmen auf Anfrage mitgeteilt. Zuvor hatte eine Vertragsfirma den Antrag zurückgezogen, die provisorische Siedlung auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik Albbruck zu errichten.

Das Reaktorumwälzsystem soll erneuert werden

Die Jahresrevision soll am 24. Mai starten und bis 26. Oktober dauern. Rund fünf Monate lang wird demzufolge keine Kühlturm-Dampfwolke über dem Hochrhein aufstiegen. Das ist einer der längsten Stillstände in der Geschichte des Reaktors, der 1984 den Betrieb aufgenommen hat. Die lange Dauer der nun bevorstehenden Revision liegt in Vorkehrungen zum Corona-Infektionsschutz und in einem Großprojekt begründet.

Neben den üblichen Wartungs- und Inspektionsarbeiten wird nach KKL-Angaben aus Modernisierungsgründen der Kondensator und damit eine zentrale Komponente ausgetauscht. Der im Maschinenhaus neben dem Reaktorgebäude stehende Anlagenteil sorgt dafür, dass der zwecks Stromerzeugung über die Turbine geleitete Dampf wieder zu Wasser abkühlt. Ebenso soll das Reaktorumwälzsystem erneuert werden. Der Austausch des Kondensators war bereits für das Jahr 2020 geplant, wurde dann jedoch im Zusammenhang mit der Corona-Krise verschoben.

Doch die anhaltende Pandemie bleibt auch bei den diesjährigen Arbeiten Thema. Bei der bevorstehenden Revision würden zusätzlich zu den allgemein geltenden Corona-Regeln "umfassende spezielle Schutzmaßnahmen ergriffen", teilte das KKL mit. Sprecher Thomas Gerlach erklärte: "Die Revisionsarbeiten werden über eine wesentlich längere Zeitdauer verteilt, damit die Zahl der maximal gleichzeitig im Werk anwesenden Personen möglichst klein gehalten werden kann und deutlich kleiner wird als ursprünglich geplant." Daher dauere die Abschaltung zwei Monate länger als bei der ursprünglichen Planung der Revision 2020. Die Arbeiten sollen an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr durchgeführt werden.



Externes Personal auch in Hotels

Pro Tag werden sich nach Angaben des KKL maximal 1300 externe Arbeitskräfte auf dem Werksgelände aufhalten, verteilt auf eine Tages- und eine Nachtschicht. Die Zahl der externen Mitarbeiter sei damit etwa so hoch wie bei einer normalen Revision. Die Fachkräfte kämen aus der Schweiz und aus Deutschland, aber auch aus anderen Ländern Europas sowie aus den USA. Das KKL: "Selbstverständlich müssen diese Personen bei der Einreise in die Schweiz die dann geltenden Einreisebedingungen (zum Beispiel Quarantäneregelung) einhalten." Zur Unterbringung von 350 externen Fachkräften war im vergangenen Jahr ein Containerdorf auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik Albbruck geplant. Schon damals stieß das Vorhaben, das dann wegen der Umplanung der Revision zurückgezogen wurde, vor dem Hintergrund der Pandemie auf Skepsis. Nun war auf dem selben Areal erneut eine solche provisorische Siedlung geplant, jetzt für 200 Personen, aber die mit dem Projekt befasste Schweizer Vertragsfirma zog den Antrag ohne Angabe von Gründen zurück. Für das nun anstehende Revisionsprojekt wurde nun aber eine Alternative gefunden. KKL-Sprecher Thomas Gerlach erklärte auf Anfrage, dass die Containersiedlung jetzt auf dem Gelände des Atomkraftwerks geplant sei. Dies sei im Unterschied zum vergangenen Jahr möglich, da es jetzt nur noch um 200 statt 350 Arbeitskräfte gehe. Daneben soll externes Personal auch in Hotels, Gasthöfen und anderen Unterkünften in der Region untergebracht werden. Gerlach verwies darauf, dass die Unterkünfte von den Vertragsfirmen organisiert würden. Geprüft werde auch die Anmietung ganzer Hotels.

Langer Stillstand 2016

Noch länger vom Netz als bei der bevorstehenden fünfmonatigen Revision war das Kernkraftwerk Leibstadt bei der Jahresrevision 2016. Damals waren Oxidationsablagerungen an Brennelement-Hüllrohren entdeckt worden. Wegen der dann eingeleiteten Untersuchungen blieb das KKL sieben Monate lang abgeschaltet. Erst im Februar 2017 gab das Ensi (Eidgenössisches Nuklearsicherheits-Inspektorat) grünes Licht zum Wiederanfahren der Anlage.Nachdem die Atomaufsicht zunächst nur einen Betrieb unter reduzierter Leistung erlaubt hatte, konnte das KKL nach seiner Jahresrevision im Juli 2019 zum Volllast-Betrieb zurückkehren.