Schwanau-Ottenheim

Kirchenglocke läutet bald für Neugeborene

Martin Frenk

Von Martin Frenk

Mo, 15. April 2019 um 18:44 Uhr

Schwanau

In der Michaelskirche können evangelische Eltern aus Ottenheim künftig die Geburt eines Kindes durch Glockengeläut verkünden.

Glockengeläut begleitet die Menschheit seit mehr als 5000 Jahren. Auch in Ottenheim kennt jeder im Dorf das Läuten der evangelischen Michaelskirche zu bestimmten Tageszeiten und besonderen Anlässen. Jetzt stimmte der Kirchengemeinderat zu, dass auch bei der Geburt eines Kindes in der Kirchengemeinde die hellste Glocke, die Vater-unser-Glocke, geläutet wird.

Im mittelalterlichen Europa waren sie es, die den Alltag prägten: Der Glockenklang verkündete die Tageszeit und rief zum Gebet.

Das Glockenläuten hat unterschiedliche Bedeutungen

Zahlreiche Glocken hatten aber auch eine eigene Bedeutung: Die eine verkündete Hochzeiten, eine andere alarmierte bei Feuer, und wieder eine andere wurde bei Todesfällen geläutet. Kirchenglocken zeigen die Uhrzeit an, laden zum Gottesdienst, erinnern am Karfreitag an die Todesstunde Jesu oder läuten zu Silvester um Mitternacht das neue Jahr ein. Auch in Ottenheim kennen die Menschen im Dorf das Läuten der Michaelskirche, die zu jeder Viertelstunde und zur vollen Stunde die Uhrzeit anzeigen und zudem bei besonderen Anlässen ertönen.

Die drei Glocken sind von außen nicht zu sehen, und auch das Uhrwerk befindet sich hoch oben im Kirchturm. Dort leisten die Glocken seit nunmehr 67 Jahren ihren Dienst. Nachdem die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Michaelskirche wieder aufgebaut worden war, wurden die von der Glockengießerei Bachert in Heilbronn hergestellten Glocken am 4. September 1952 in den Glockenstuhl verbracht: Die größte, die Christus-Glocke (Totengedächtnisglocke) ist auf den Ton "c" gestimmt und wiegt 2120 Kilogramm. Auf dem Glockenmantel ist "Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen" zu lesen.

Die zweitgrößte, die Michaelsglocke (Vorläuteglocke vor den Gottesdiensten und Abendglocke), ist auf den Ton "es" gestimmt und wiegt 1300 Kilogramm. Sie trägt die Aufschrift "Michael, seid nüchtern und wachet". Und die kleinste, die "Vater-unser-Glocke" (zugleich Tauf- und Mittagsglocke) ist auf den Ton "f" gestimmt, wiegt 920 Kilogramm und trägt die Inschrift "Dein ist das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit".

Seither erklingt das Geläute dieser drei Octavglocken vom Turm der Michaelskirche herunter, kündet von Freud und Leid in der Gemeinde, läutet die Menschen zur Taufe, lädt sie ein zu Gottesdiensten und begleitet sie auch auf ihrem letzten Gang. Kürzlich waren die Glocken Thema im Konfirmandenunterricht.

Pfarrerin Marie Jakobi-Stöbener diskutierte eingehend die Bedeutung der Glocken mit den jungen Gemeindegliedern. Sie wollte von den Konfirmandinnen und Konfirmanden auch wissen, wie sie es fänden, wenn anlässlich der Geburt eines Kindes die hellste Glocke läuten würde.

Die jungen Gläubigen fanden es überaus passend, dass auch geläutet wird, wenn ein neuer Erdenbürger begrüßt werden kann. Die Pfarrerin hatte von diesem Brauch in einer anderen Gemeinde gehört. Und nach der Beratung mit den Konfirmanden trug sie den Vorschlag im Kirchengemeinderat vor. Dieser stimmte sogleich zu, dass von sofort an bei der Geburt eines Kindes die hellste Glocke, die "Vater-unser-Glocke", geläutet wird.

Ausdruck des Dankes, Bitte um Gottes Schutz

Das "Neugeborenengeläut" soll die Freude über den neuen Erdenbürger und dem Dank an Gott Ausdruck zu verleihen, erläuterte die Pfarrerin. Durch Geburtsläuten werde auch eingeladen, Gott für das neue Leben zu danken und für das Kind und die Eltern Gottes Schutz uns Segen zu erbitten.

Sofern mindestens ein Elternteil in Ottenheim wohnt, Mitglied der evangelischen Kirche ist und sich wünscht, dass die Glocke für ihr Neugeborenes ertönen soll, können sich künftig Eltern in den Tagen nach der Geburt bei der Kirchengemeinde anmelden unter Tel. 07824/2176 (Pfarrhaus) oder Tel. 07824/3465 (Kirchendiener Ernst Matthis). Am darauf folgenden Tag wird die Glocke dann um 15 Uhr ertönen. Gleichzeitig wird die Ankunft des neuen Erdenbürgers im Schaukasten bei der Kirche angezeigt.