Adebars Glück

Der Kirchzartener Storch Edgar ist neu verliebt und wird Vater

Elena Hunn

Von Elena Hunn

Mi, 03. April 2019 um 19:29 Uhr

Kirchzarten

Der Storch steht für den Frühlingsanfang und Kindersegen. Letzteren erfährt auch der Kirchzartener Storch Edgar. Nach dem Tod seiner Partnerin Sarah hat er sich neu verliebt und bekommt Nachwuchs.

In den meisten Orten sind die Störche schon zurück. Das Männchen in Stegen wurde 1996 in Frankreich geboren, seine 15-jährige Partnerin kommt aus Solothurn in der Schweiz. In Zarten war 2018 das Weibchen bei einem Autounfall gestorben. Das diesjährige Männchen ist ohne Ring, genauso wie das aus dem Vorjahr, weshalb es sich vermutlich um denselben Storch handelt. Er hat inzwischen eine neue Partnerin, die zuvor in Reute brütete. Der Kirchzartener Storchenmann Edgar hatte den Tod seiner Partnerin Sarah nicht gut verkraftet. Doch nun hat er sich neu verliebt. Sarah war beim Starten mit einem Auto zusammengestoßen.

"Störche sind aufgrund ihres Gewichts und ihrer Größe Flachstarter", erklärt Storchenmutter Waltraud Maurer. "Da kommt es beim Starten oder Landen ab und zu vor, dass sie mit einem großen Auto kollidieren." Auf die Avancen einer anderen Storchendame hatte Edgar nicht reagiert, seit Februar hat er jedoch wieder eine neue Freundin: Störchin Ulla aus Denzlingen, die gerade zu brüten beginnt. Die beiden Vögel können per Webcam online dabei beobachtet werden. Archivbilder zeigen: Auch der ein oder andere Besucher hat sich im Laufe des Jahres schon in das Nest verirrt.

Mit Störchen verbindet man viel Positives

Viele Gemeinden haben ihr eigenes Storchennest, haben Webcams installiert, um die Tiere beobachten zu können, und geben ihnen Namen – der Storch hat beinahe den Status eines Maskottchens. Doch woher kommt diese Faszination? "Weil es interessante Vögel sind", antwortet Martin Kury, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Weißstorch Breisgau. "Es macht Spaß, sie zu beobachten. Außerdem verbindet man viel Positives mit ihrer Rückkehr. Den Frühlingsanfang etwa, oder dass der Storch die Kinder bringt." Auch für ihre Treue zum Partner sind Störche gemeinhin bekannt – eher ungewöhnlich in der Tierwelt. "Sie gewöhnen sich an den Anderen", vermutet Kury. Trennungen gebe es nichtsdestotrotz. "Bei Männchen gilt das Recht des Stärkeren, bei Weibchen verhält es sich umgekehrt." Das ältere Weibchen hätte das Vorrecht, sollte es das Männchen, das etwa zwei Wochen vor den Weibchen zurückkehrt, mit einer neuen Partnerin vorfinden.

Auch im kältesten Winter gilt: "Nicht füttern!"

Der Gundelfinger Storchenexperte Dieter Engelbrecht hat viel über das Verhalten von Störchen zu erzählen: "Weil Lurche selten geworden sind, hat sich der Speiseplan der Störche geändert. Regenwürmer, Mäuse und Insekten sind ihre hauptsächliche Nahrungsgrundlage." Selbst für den bitterkältesten Winter lautet Engelbrechts dringliches Anliegen: "Nicht füttern!" Denn Störche, die zu viel Kontakt mit Menschen haben, seien nicht mehr selbstständig genug. Aus diesem Grund bestehe auch nur zweimal im Jahr Kontakt mit ihnen: beim "Frühjahrsputz" des Nestes und beim Beringen der Jungen. Den Störchen Namen zu geben, wie es manche Gemeinden tun, davon hält er nichts. "Störche sind Wildtiere", betont er. Ihnen einen Namen zu geben, bedeutet eine emotionale Verbindung einzugehen, ähnlich wie bei einem Haustier.

Wer den Storch sucht, der findet ihn häufig auf dem Dach der Kirche. "Die Gestelle, auf denen das fertige Nest thront, sowie Reisig zum Bau des Nestes stellen die Gemeinden", sagt Engelbrecht, denn: "Die Tiere finden nur wenig Baumaterial, unsere Landschaft ist zu aufgeräumt." Bauen sich die Störche ihre Nester selbst, geschieht das oft an ungewöhnlichen Orten, etwa in Schallstadt, wo die Störche einen Abspannmast direkt an der Bahnstrecke zu ihrem neuen Zuhause auserkoren haben – ist das eine Gefahr für sie?

Gustav Bickel, Vorsitzender von Weißstorch Breisgau, erklärt: "Hochspannungsleitungen sind kein Problem, weil die Leitungen weit genug vom Mast entfernt sind." Zudem seien die meisten Strommasten gut abgesichert. "Bei Niederspannungsleitungen dagegen rufen wir den Energiebetreiber an, um das Nest entfernen zu lassen. Die Leitungen sind nahe am Mast, das ist eine Gefährdung." In der Umgebung gebe es 14 solcher Nester, die auf Hochspannungsmasten gebaut sind.

Dass Wiesen zunehmend Getreide- und Maisfelder weichen müssen, die Düngung von landwirtschaftlichen Flächen, der Rückgang an Insekten – "all das sind eher Dinge, die dem Storch das Leben in Zukunft erschweren könnten", sagt Martin Kury. Insgesamt sei die Population aber stabil. Gibt es doch einmal einen verletzten Storch, wird dieser zu Kurys Pflegestation in Reute gebracht – sie liegt in seinem eigenen Garten. Hier päppelt er verletzte Störche in einer großen Voliere wieder auf, um sie im Herbst zum Flug gen Süden wieder frei zu lassen. "Das ist jedes Jahr ein emotionales Erlebnis", sagt Dieter Engelbrecht.