Badesaison 2020 fällt ins Wasser

Markus Donner

Von Markus Donner

Do, 04. Juni 2020

Kirchzarten

Gemeinde Kirchzarten verzichtet wegen der nicht zu erfüllenden Hygieneanforderungen auf die Öffnung ihres Dreisambades.

. In Kirchzarten ist die Badesaison schon beendet, ehe sie überhaupt begonnen hat. Einheimische und Gäste müssen sich in diesem Sommer anderswo Abkühlung verschaffen. Das Dreisambad, das im Jahresschnitt von mehr als 200 000 Besuchern frequentiert wird, bleibt in dieser Saison geschlossen, auch wenn die Landesregierung die Öffnung der Freibäder in den nächsten Tagen wieder zulässt – unter strengen Hygienevorgaben.

Bürgermeister Andreas Hall und der für die Kurbetriebe im Rathaus zuständige Mitarbeiter Dorian Vedder wollten die Freunde des Dreisambades nicht länger in Ungewissheit lassen und gaben daher am Mittwoch bekannt, dass die beliebte Freizeiteinrichtung in diesem Jahr geschlossen bleibt. Ausschlaggebend für die Entscheidung sind die mit einer Öffnung verbundenen Auflagen wegen der Corona-Pandemie. Die seien im Dreisambad schlichtweg nicht umsetzbar. Die Gegebenheiten in dem Familien- und Spaßbad seien so beengt, dass die Sicherheit der Badegäste nicht gewährleistet werden könne. Der Bürgermeister nennt hier die mit einem Betriebskonzept nachzuweisenden Zugangsregelungen, die Dokumentation von Personendaten, Abstandsregeln und die Nutzung der Nebeneinrichtungen wie Sanitäranlagen und Umkleiden. Hier habe die interne Prüfung ergeben, dass viele Anforderung nach aktuellem Stand im Dreisambad nicht erfüllt werden könnten. Gemessen an den Flächen dürften nicht mehr als 400 Gäste ins Bad, wo sich sonst an Spitzentagen bis zu 2500 eine Abkühlung an heißen Sommertagen verschaffen. "Eine Öffnung unter den zu erwartenden Bedingungen wäre Krampf", sagt der Bürgermeister, "das Gefühl des Badeerlebnisses blieb auf der Strecke".

Eine Einhaltung der Vorgaben wäre ohne zusätzliches Personal nicht zu leisten. "Wir bräuchten dafür doppelt so viele Mitarbeiter, die wir nicht haben", so Andreas Hall. Bedauerlich sei das verschlossene Freibad für die Gäste auf dem Campingplatz, die ansonsten freien Zugang hätten. Auch als Einnahmequelle würden diese Feriengäste geschätzt, da der Campingplatz einen jährlichen Kostenbeitrag von rund 130 000 Euro leiste und so mithelfe, das Defizit des Bades zu schmälern. Jens Ziegler, der Pächter des Campingplatzes, bringe dennoch Verständnis für die einschneidende Entscheidung der Gemeinde auf, wenngleich er es anders lieber gehabt hätte.

Ein weiteres Argument, das Bad nicht zu öffnen, seien die enormen Kosten für die Bewirtschaftung bei gleichzeitig weniger Besuchern. Derzeit werde das Wasser nicht aufbereitet , um Geld zu sparen. Auch für den Fall, dass die Beschränkungen entfielen, würde es mindestens 14 Tage dauern, um das Wasser auf die vorgeschriebene Qualität zu bringen. Und die ausbleibende Umwälzung habe auch zur Folge, dass beispielsweise die ambitionierten Schwimmer des SV Kirchzarten nicht ins Dreisambad könnten.

Derzeit wären von den drei Mitarbeitern des Freibades zwei an den Bauhof ausgeliehen worden, wo dringend Personal gebraucht werde. Saisonkräfte fürs Bad seien vorsorglich erst gar nicht eingestellt worden. Wie der Bürgermeister erklärte, sei der Gemeinderat vor der Entscheidung, das Dreisambad 2020 nicht zu öffnen, gehört worden.