Klare Absage an Sperrung der Unionbrücke für den Autoverkehr

Helmut Seller

Von Helmut Seller

Fr, 10. Juli 2020

Ortenau (Aufmacher)

Verkehrsausschuss diskutiert über Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung, weitere Planung zur Neugestaltung des Bahnhofsquartiers, ZOB-Standort und Nordspange.

. Auf massiven Gegenwind stößt der Vorschlag der Stadtverwaltung, bei einer Neugestaltung des Bahnhofsquartiers auch eine Sperrung der Unionrampe für den Kfz-Durchgangsverkehr Richtung Bahnhof zu prüfen. In einer fast vierstündigen Sitzung des Verkehrsausschusses mit übervoller Tagesordnung gab es dafür eine klare Absage von der CDU, aber auch von Freien Wählern, FDP und AfD. Das letzte Wort hat der Gemeinderat. Vertieft untersucht werden der optimale Standort für den Zentralen Omnibusbahnhof sowie der 30 bis 40 Millionen Euro teure Bau einer "Nordspange".

Wohin kommt der ZOB? Was passiert mit dem Durchgangsverkehr vor dem Bahnhof? Was bringt eine zusätzliche Nordspange über den Güterbahnhof als zusätzliche Ost-West-Verbindung? Diese drei Fragen stehen im Zentrum einer großangelegten Verkehrsuntersuchung für die Neugestaltung des Offenburger Bahnhofsquartiers als Mobilitätsdrehscheibe der Zukunft. Dass dort etwas passieren muss, darüber sind sich alle Fraktionen im Gemeinderat einig. Auch dass der Bahnhof selbst als wichtiges und von 25 000 Menschen täglich genutztes "Tor zur Stadt" attraktiver werden muss, ist eine seit Jahrzehnten unstrittige Forderung. Doch am Wie scheiden sich die Geister. Auch wenn es am Mittwoch im Verkehrsausschuss "nur" um die Freigabe vertiefender Planungen ging, so wurden bereits Pflöcke tief eingeschlagen. Lediglich die Grünen begrüßten durchweg die Verwaltungsvorschläge für umfassende weitere Prüfungen auf der Basis einer 138 Seiten umfassenden Verkehrsuntersuchung des Ingenieurbüros Rapp. Zudem würden sie, so Fraktionschef Ingo Eisenbeiß, auch mit einer Nordquerung "leben können", wenn diese Entlastung vom Durchgangsverkehr bringe.

Gegen eine Nordspange, die einen 265 Meter langen Bogen vom Kreisverkehr bei Rammersweier bis zur Englerstraße im Westen schlägt, hat auch Albert Glatt nichts – aber nur zur Entlastung und keinesfalls als Ersatz für die Unionbrücke. Der CDU-Fraktionschef wetterte in aller Deutlichkeit gegen die aus der Verkehrsuntersuchung abgeleitete Empfehlung, den Kfz-Durchgangsverkehr großräumig aus dem Bahnhofsquartier zu verlagern und damit offensichtlich auch die Unionbrücke für den Ost-West-Verkehr in beide Richtungen zu sperren: Dem Ziel, die Aufenthaltsqualität vor dem Bahnhof zu verbessern, solle kompromisslos alles untergeordnet werden. Allein der Aspekt, dass damit ein zig Millionen Euro teures Einkaufsquartier mit Tiefgarage von der Westseite nicht mehr erreichbar sein werde, reiche schon aus, um diese Planungen zu begraben. Als "völligen Unsinn" bezeichnete Glatt die Einschätzung von Verkehrschef Thilo Becker, dass sich mit einer Sperrung der Unionbrücke die verkehrliche Belastung in der Grabenallee reduziere und sich Verkehr in die Englerstraße, Kinzigstraße und auf den Südring verlagerten: "Ich bin überzeugt, dass das, abgesehen von riesigen Umwegen, massive Fehleinschätzungen und Fehlplanungen sind." Die Unionbrücke sei für den Autoverkehr, die Erreichbarkeit der Innenstadt, des Bahnhofs und des neuen Einkaufsquartiers unverzichtbar, ebenso als Verbindung der durch den Bahngraben getrennten Stadtquartiere in Ost und West. Dass Ingo Eisenbeiß ihm wenig später vorwarf, sich "wie ein kleines bockiges Kind" in die Unionbrücke zu verbeißen, kommentierte Glatt scharf: "Das war daneben." Rückendeckung in Sachen Unionbrücke erhielt die CDU von den Freien Wählern. Angi Morstadt plädierte zudem für einen Planungs- und Ideenwettbewerb: "Wir brauchen den Blick von außen." Nicht darstellbar sei für die Freien Wähler eine Öffnung von Oken- und Philipp-Reis-Straße für Verkehr in beide Richtungen. Das ist auch für die SPD ein "No go", sagte Heinz Hättig. Unbedingt festhalten müsse man an der Nordspange. Sie sei wichtig für die Oststadt und auch das geplante Großkrankenhaus. Vor Eingriffen in die Unionbrücke will die SPD wissen, wie sich das künftige Einkaufsquartier Rée-Carré entwickelt. FDP-Stadtrat Silvano Zampolli zeigte sich "Albert Glatt dankbar, dass er Ziele für das Planungsbüro klar definiert hat." Es sehe als Praktiker zudem eine Kluft zwischen dem, was am Reißbrett geplant werde und der Wirklichkeit.

"Die Innenstadt wird nicht belebt, wenn man den Verkehr verbannt", kritisierte Taras Maygutiak (AfD). Die französischen Kunden würden fernbleiben. Sinnvoll sei die Nordquerung. Für diese spricht sich auch Florence Wetzel (Offenburger Liste) mit Blick auf die Klinikplanung aus. Sie sagte zudem: "Wir brauchen natürlich eine bessere Aufenthaltsqualität am Bahnhof – er ist ja das erste, was man von Offenburg sieht."