Klassenzimmer am Acker

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

Mo, 04. Oktober 2021

Emmendingen

Neuer Raum für Grundschüler in Kollmarsreute / Landwirtschaft auf 60 Quadratmetern.

. Am Freitag wurde der "Ackerwagen" der Grundschule Kollmarsreute feierlich übergeben. Mit ihm wurde nicht nur ein dringend benötigtes zusätzliches Klassenzimmer geschaffen, mit einer "Ackerschule" geht das Kollegium auch neue Wege.

"Das riecht gut nach Holz", sagt eine neugierige kleine Besucherin über das neue Außen-Klassenzimmer. Der Raum ist dreißig Quadratmeter groß und bietet Platz für maximal 24 Kinder. Im Prinzip handelt es sich um einen großen und hellen Bauwagen mit kleiner Veranda und barrierefreiem Aufgang. Er ist beheizbar mit einem Holzofen, hat höhenverstellbare Klapptische, eine Spüle und eine kleine Solaranlage. Doch die Sonderanfertigung des Anhängerbau-Unternehmens Ruku aus Rheinau und der Schreinerei Gefi hat ihren Preis: 140 000 Euro kosteten Wagen und Innenausbau die Stadt Emmendingen.

"Erst im Februar diesen Jahres habe ich zum ersten Mal davon gehört", sagt Oberbürgermeister Stefan Schlatterer in seinem Grußwort. An der Grundschule hatte sich überraschend gezeigt, dass die Schulanfänger doch nicht in eine Klasse passen würden. Der Handlungsdruck war groß. Da hatte die ehemalige geschäftsführende Schulleiterin Angela Hauser die Ackerwagen-Idee. "Die Alternative wäre ein Container gewesen", sagt die amtierende Schulleiterin Ulla Jaeger.

Da die Grundschule schon seit zwei Jahren mit dem "Ackerschule"-Konzept liebäugelte und die Stadt mit dem Waldklassenzimmer in Mundingen gute Erfahrungen gemacht hatte, war der Schritt zu einem mobilen Klassenzimmer auf dem Acker nicht weit. "Das in nur sieben Monaten zu planen und umzusetzen ist eine gute Leistung", sagte Schlatterer.

Die Stadt stellt das Gelände, der Betriebshof baute ein WC-Häuschen, der Stadtförster steuerte Baumstämme zum Sitzen im Freien bei – fertig war das Paradies im Grünen mit Blick auf den Kandel. Sie sei sehr gespannt und verfolge das Projekt mit großem Interesse, sagte Schulrätin Monika Lang. Immerhin handele es sich hier um die erste "Ackerschule" in ihrem Amtsbereich.

Mit dem Ackern wird aber erst im nächsten Frühjahr richtig angefangen. Mit bescheidenen 60 Quadratmetern wolle man starten, so Ulla Jaeger. "Das ist für das Kollegium eine Herausforderung", sagt die Rektorin, "wir sind da ja alle Neulinge". Zum Glück habe die Schule für den Notfall Ortsvorsteher Rainer Lupberger in der Hinterhand, der seine Hilfe zugesichert hätte.

Bei den zwölf Kindern der Klasse 1b, die die nächsten vier Jahre im Wagen lernen dürfen, ist das neue Klassenzimmer schon ein Hit. Klassenlehrerin Agnes Plattmann schwärmt von der Wirkung des hellen Raums auf die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit der Kinder. Viele Unterrichtsthemen würden sich durch den unmittelbaren Kontakt mit Pflanzen, Tieren oder Naturphänomenen spontan ergeben. "Die Kinder stellen unglaublich viele Fragen und hören ungeheuer konzentriert zu", sagt sie. Ihr und ihren Kolleginnen sei schon nach zwei Wochen klar: "Wir würden nicht mehr tauschen wollen".