Der leise Grenzgänger

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Von dpa & AFP

Do, 02. Januar 2020

Theater

Nicht nur für die Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele war er ein Glücksfall: Der Opernregisseur Harry Kupfer ist jetzt mit 84 Jahren in Berlin gestorben.

Harry Kupfer, einer der angesehensten Opernregisseure Deutschlands, ist mit 84 Jahren gestorben. Er starb am Montag in Berlin, wie seine Agentur in Wien mitteilte. Kupfer, der 1981 bis 2002 Chefregisseur der Komischen Oper Berlin war, hatte mit seinen Inszenierungen unter anderem bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth großen Erfolg.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) würdigte Kupfer: "Seine Arbeit war wegweisend und Vorbild für viele nachfolgende Kolleginnen und Kollegen." Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte, mit seinen Inszenierungen habe Kupfer "sowohl in der ostdeutschen als auch später in der westdeutschen Opernlandschaft Maßstäbe" gesetzt. Er werde als "leiser Grenzgänger" in Erinnerung bleiben.

Der Intendant und derzeitige Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, Barrie Kosky, bezeichnete seinen Vorgänger als einen der "außergewöhnlichsten und einflussreichsten Musiktheater-Regisseure der vergangenen 60 Jahre". Bayerns Kunstminister Bernd Sibler (CSU) teilte am Dienstag mit: "Sein Schaffen in Bayreuth war ein Glücksfall für die Festspiele und Wagner-Fans allerorten."

Zu den Meilensteinen von Kupfers Karriere gehörte auch die Produktion der zehn wichtigsten Opern Wagners an der Berliner Staatsoper Unter den Linden mit dem Dirigenten Daniel Barenboim. "Seine Inszenierungen haben stets das Denken aller künstlerisch Beteiligten wie des Publikums herausgefordert", schrieb die Staatsoper, an der Kupfer viele Jahre und bis zuletzt wirkte. "Mit unbedingter Energie und Überzeugungskraft ist es ihm gelungen, immer wieder Funken aus den Werken zu schlagen, auf dass sie aktuell und aussagekräftig bleiben."

Der 1935 in Berlin geborene Schüler von Regie-Meister Walter Felsenstein gab sein Regiedebüt mit 23 Jahren bei Antonin Dvoráks "Rusalka" in Halle. Nach Stralsund, Chemnitz, Weimar und zuletzt als Staatsoperndirektor in Dresden zog es ihn 1981 wieder nach Berlin und an die Komische Oper. 1978 brachte er in Bayreuth Wagners "Fliegenden Holländer" auf die Bühne – eine Inszenierung, mit der Kupfer Weltruhm erlangte. Zehn Jahre später produzierte er dort mit Daniel Barenboim Wagners "Ring des Nibelungen". Er wolle auf der Bühne Menschen mit ihren Konflikten, Problemen und Widersprüchen zeigen, sagte Kupfer einmal.

In den letzten Jahren arbeitete er in Dresden und Sydney, brachte den "Ring" in Barcelona und den "Parsifal" in Helsinki heraus. In Salzburg inszenierte er mit großem Jubel den "Rosenkavalier", in Shanghai ein Musical. Zur Seite stand ihm dabei immer wieder sein langjähriger Bühnenbildner Hans Schavernoch.

Auch im hohen Alter arbeitete der Ausnahmeregisseur noch: In den letzten Jahren brachte er "Die lustige Witwe" auf die Bühne der Hamburgischen Staatsoper sowie Prokofjews "Spieler" an die Oper Frankfurt. Mehrfach wirkte er für die Salzburger Festspiele. Kupfer brachte mehr als 200 Opern zur Aufführung. Er arbeitete mit bedeutenden Dirigenten zusammen, neben Barenboim etwa mit Claudio Abbado, Herbert Blomstedt, Simone Young und Zubin Mehta.