Nichts für Hinterbänkler

Dirk Friberg

Von Dirk Friberg

Do, 14. November 2019

Kleines Wiesental

WIE WAR’S BEI… "Blues im Wiesental" mit Joe Filisko und Eric Noden in der Laurentiuskirche in Tegernau?.

KLEINES WIESENTAL-TEGERNAU. Blues in einer Kirche – im kleine Agathenkirchlein in Schopfheim-Fahrnau ist das nichts ungewöhnliches. Dass aber ein großes Kirchenschiff wie das der Tegernauer Laurentiuskirche zur Blues-Bühne wird, ist nicht alltäglich. Der Verein "Exbluesive" hat dieses Experiment mit dem Blues-Duo Joe Filisko und Eric Noden aus den USA gewagt – die BZ war dabei. Und es zeigte sich: Anders als im Gottesdienst waren vor allem die vordersten Plätze begehrt.

Die Musiker: Inzwischen im sechsten Jahr kommt das weltbekannte Blues-Rockmusik-Duo Joe Filisko und Eric Nolden aus den USA nach Deutschland. Im Anschluss an Workshops an der Musikhochschule Trossingen touren die beiden Künstler jedes Jahr quer durch Europa. Die diesjährige mehrwöchige Tour, die das Duo rund 6000 Kilometer durch viele Länder führte, endete mit einem Bluesabend in der Laurentius-Kirche in Tegernau. Möglich wurde dies durch eine Einladung des Kulturbeauftragten Klaus Deuss, der beim Verein "Exbluesive" für das Programm verantwortlich ist und viele Musiker, so auch das bekannte Duo aus Chicago, persönlich kennt.

Der Veranstaltungsort: Der Bluesabend fand in einer Kirche statt – eine eher ungewöhnliche Location für fetzige Bluesmusik. So wirkte es auch auf den ersten Blick eher befremdlich, dass im hinteren Teil des Raumes ein Getränkeausschank mit Bier und Limonaden aufgebaut war. Anders als bei Gottesdiensten üblich füllten sich nach und nach zuerst die vorderen Bänke. Die ansonsten gefragten hinteren Bänke blieben diesmal unbesetzt. Leider war es sehr kalt in der Kirche, so behielten alle Gäste ihre dicken Jacken an, als sie in den Kirchenbänken Platz nahmen. Sicherlich wäre es für das Publikum angenehmer gewesen, hätten sie bei der Darbietung der beiden Künstler auch mal aufstehen können, um sich im Takt der Musik zu bewegen. So nickten nur die Köpfe, und die Füße wippten im Takt. Die fantastische Akustik in der großen Kirchenhalle ließ dies aber schnell vergessen – die beiden Virtuosen heizten mit ihrer hervorragenden Darbietung der gebannt lauschenden Hörerschar kräftig ein. So waren es nicht nur die kalten Hände, die den tosenden Applaus von Stück zu Stück länger werden ließen.

Die Besucher: Über 60 Besucher fanden sich ein, allesamt kamen eigens zum Konzert. Die "normalen" Kirchenbesucher, die ansonsten bei den Gottesdiensten die Kirche füllten, blieben an diesem Abend fern. Auch jugendliche Zuhörer fanden sich kaum ein: Es waren fast ausschließlich Besucher weit jenseits der 40. Ein Paar, das seine Freunde im Schwarzwald besuchte, bemerkte scherzhaft, dass es eigens zu dem Bluesabend aus Bonn angereist sei. Die weiteren Gäste kamen aus dem näheren Umland, etwa aus Raich-Ried, Wies, Wieslet, Schopfheim und Häg-Ehrsberg.

Die Musik: In die erwartungsvolle Stille hinein begannen Joe Filisko und Eric Nolden ihre Darbietung. Bereits das erste Stück zog die gebannt lauschenden Zuhörer in den Bann und versetzte sie zurück in die 30er Jahre des Wilden Westens der USA: Joe Filisko ließ mit bezaubernden Klängen seiner Bluesharp einen schnaubenden und pfeifenden Dampfzug in den Kirchensaal einfahren, Eric Noden sorgte mit seiner Gitarre für den stampfenden Rhythmus der schweren Maschine. Die Illusion war perfekt. Weitere Stücke waren mal besinnlich, mal erheiternd, oftmals mit hervorragendem Gesang eines der beiden Musiker untermalt, die Stimmen der Beiden fügten sich wunderbar in die Stücke ein. Als die Musik schließlich verstummt war, feierten die Anwesenden Filisko und Nolden mit langanhaltendem Applaus und Standing Ovations. Zur Zugabe stellen sich die beiden Musiker in den Kirchengang und sangen unplugged, ihre Stimmen, die nun im Duett und Wechselgesang zusammen mit ihren Instrumenten den Raum erfüllten, ließen die Mikrofone und Verstärker kaum vermissen. Beide nutzten diese Nähe zum Publikum, um sich bei jedem Einzelnen der Zuhörer mit Handschlag persönlich zu verabschieden: Es war ihr diesjähriges letztes Konzert in Deutschland.

Das Fazit: Abgesehen von der Kälte im Kirchenraum und der Bewegungseinschränkung durch die starren Kirchenbänke war der Bluesabend ein toller Erfolg: Die Instrumente wie auch die Stimmen der Musiker kamen in den hohen weiten Räumen bestens zur Geltung. Die Virtuosität der Musiker trug ein Weiteres zu der überaus gelungenen Darbietung bei. So darf man auf die weiteren Konzerte der Reihe "Blues im Wiesental" gespannt sein.

Weitere Termine: Am Samstag, 23. November, laden "Blossblues", ein schweizerisch-deutsches Bluesprojekt zu einem "A Soulful Funky Rocking Jazzy Blues-Feuerwerk" im Gasthaus Eiche in Utzenfeld (das wohl besser beheizt als die Kirche sein wird) ein, und am Samstag, 29. November, schließt die Veranstaltungsreihe des Vereins Exbluesive mit einem Bluesabend der beiden Spanier Juan Pao Cumella und Miguel Talavera – wiederum in einer Kirche, diesmal in St. Agathe-Kirche in Schopfheim-Fahrnau. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.