Klösterle im Farbenrausch

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mi, 22. Mai 2019

Schönau

Bernd Götz zeigt bis 2. Juni in Schönau bekannte Motive in ungewohnten Ansichten.

SCHÖNAU. Kräftige Farben und eine Vielfalt an Motiven erwarten die Besucher in der Ausstellung von Bernd Götz im Heimatmuseum Klösterle. Der Maler zeigt rund 30 Gemälde in Acryl und Öl, in denen er mit verschiedenen Stilen experimentiert. Bei der gut besuchten Vernissage am Sonntag erklärte er den interessierten Gästen einiges über seinen Werdegang, seine Bilder und Sujets.

Bernd Götz, der mit seiner Frau Renate seit 2015 in Schönau wohnt und sich im Förderverein Klösterle engagiert, hat sich als Autodidakt die Maltechniken selbst angeeignet. Er hat aber auch Akt- und Porträtkurse bei Ulrika Olivieri in Schönau besucht. 2004 begann er mit der Acrylmalerei, später kam die Ölmalerei dazu. Teilweise kombiniert er die Techniken. Als Götz noch im aktiven Berufsleben im Management von Industriebetrieben war, konnte er nur am Wochenende seiner Leidenschaft fürs Malen nachgehen. Seit er 2015 in Ruhestand ist, kann er sich intensiver seiner Malerei widmen.

Manchmal arbeitet der Maler nach fotografischen Vorlagen oder Skizzen, manchmal entstehen die Arbeiten auch ohne Plan und ganz spontan. In der Fülle der vielseitigen Werke aus 15 Jahren fallen Ansichten aus Schönau auf: Zum Beispiel die Kirche und das Rathaus oder "Schönau mit Klösterle". Diese vertrauten Motive einfach nur realistisch oder naturgetreu nach der Wirklichkeit abzubilden, wäre ihm "zu langweilig" gewesen. Also zeigt er diese Gebäude in unkonventionellem Stil, der ein bisschen an Hundertwasser erinnert. Die Formen sind in Schwingung und Bewegung gebracht, die Häuser wirken dynamisch gemalt in fließenden bewegten Linien und intensiver Leuchtkraft.

Vor gelbem Himmel sind die Kirche und das Rathaus auf den Bildern zu sehen, extrem farbenfroh und originell. Im ähnlichen Stil hat er auch die Basilika Seligenstadt gemalt. Auch die Schwarzwald-Klischees bricht Bernd Götz in dem Bild "Schönau mit Belchen" auf. In diesem fantastischen Werk sind Tannen, Berg, Landschaft und Ortschaft mit Kirche wie in einem Glaskasten zur Schau gestellt.

Eine Landschaftsimpression vom "Hahnenkamm" wirkt fast pointillistisch in den hingetupften Farbtupfen. Seine Vorliebe für leuchtkräftige Farben und Kontraste zeigt Götz auch in Bildern von Sonnenuntergängen und der Ansicht von einem Bauernhof in Utzenfeld, der umgeben ist von Blättern und Bäumen in starker Farbintensität.

Farben wie man sie von den Expressionisten kennt dominieren das Gemälde "Blauer Panther", in dem die Raubkatze auf einem Ast das Bild beherrscht. Daneben hängen Eindrücke aus Tunesien in expressiver Farbigkeit mit roten Kamelen und gelbem Himmel. Fast surreal und ungewöhnlich in der Perspektive wirkt das jüngste Bild "Quincy", das nach einem Handyfoto entstanden ist: Eine witzige Momentaufnahme von zwei jungen Leuten und einer Katze, die im Vordergrund prangt.

Wie breit gefächert die Werke sind, sieht man auch an der "Skyline", aus kubischen Formen bestehenden Hochhäusern oder dem existenziellen Bild "Verzweiflung", das einen kauernden Menschen umgeben von schwarzen und blauen Formen zeigt. Auch einige Porträts hat Bernd Götz für die Schau ausgesucht. Auffallend sind einige Arbeiten, in denen die Rockmusiker Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison und Kurt Cobain auftauchen. Was nicht ganz verwundert, war Bernd Götz doch selbst mal Schlagzeuger in einer Rockband und greift noch ab und an zur Gitarre. Neben den Acryl- und Ölbildern zeigt Götz auch Stücke aus seiner Ausbildungszeit als Edelsteinfasser aus den 1970er Jahren. Außerdem sind in einer Videoschau frühe Entwürfe, Studien sowie Zeichnungen zu sehen.

Die Ausstellung von Bernd Götz im Klösterle Schönau ist bis 2. Juni zu sehen, donnerstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr.