UNTERM STRICH: Der Duft des Dirigenten

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Fr, 25. Oktober 2019

Kolumnen (Sonstige)

Die Marke Teodor Currentzis gibt es nun auch als exklusives Parfum / Von Alexander Dick.

Eine Hinrichtung sollte es werden, am Ende geriet es zum "größten Bacchanal", wie der Autor schreibt, "das die Welt seit dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert gesehen hatte". Die Details lassen wir an dieser Stelle weg, denn auch wenn Patrick Süskind, der Autor des Buches, sich wie ein Chronist gebärdet: Jean-Baptist Grenouille und sein betörendes, die ganze Welt verzauberndes Parfum hat es nie gegeben, zum Glück. Wohl aber Teodor Currentzis.

Falls jemand an dieser Stelle den roten Faden verloren haben sollte, kein Problem. Der griechisch-russische Stardirigent versteht sich ebenso wie jener Grenouille auf die Kunst des Bezauberns und Betörens. Bislang in Posen, vor allem aber in Klängen. Das genügt offenbar noch nicht. Ab sofort kommt ein weiterer Sinn hinzu – die olfaktorische Wahrnehmung.

Kurzum, Teodor Currentzis, Chef des SWR-Symphonieorchesters, duftet. Präziser ausgedrückt: Er will seinem "Baden-Badener Publikum etwas Persönliches schenken". So steht es auf einer vom Festspielhaus Baden-Baden herausgegebenen Doppelkarte, in deren Falz sich ein kleiner Flakon befindet, betitelt: "September Country". Ein "Anflug von spätem Sommer; gleichsam eine Vorahnung auf das anstehende Konzertwochenende mit dem Dirigenten, so wird es beschrieben. Der Dirigent sagt: "Ein Duft, aus meinen Erinnerungen für mich komponiert." Der "Komponist" heißt Vincent Micotti, ist angesehener Parfum-Créateur aus Basel und hat den Hauch Currentzis in kleinster Auflage kreiert. Bei einem Spontantest in der Redaktion indes waren sich vor allem die Kolleginnen einig, dass sie Currentzis so nicht riechen können. Was der mit "auf geheimnisvolle Weise polyphon" charakterisiert, stieß auf weibliche Abneigung.

Schade, dass wir den Duft nicht drucken oder posten können. Vielleicht nur so viel zu der Kreation: Es könnte sich um intensive Noten von Patchouli, Sandelholz und Amber handeln. Womöglich auch eine Prise historische Duftpraxis? Grenouille, hilf!