Konzert mit üppigen Klangfarben

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Mi, 07. August 2019

St. Peter

Orgelprofessor Johannes Ebenbauer aus Wien begeistert die Zuhörer in der Barockkirche von St. Peter.

ST. PETER. Nach seiner Beschäftigung als Domkapellmeister am Stephansdom in Wien wurde Johannes Ebenbauer 2013 als Professor für Orgel und Improvisation an die Musikuniversität Wien berufen. Sein großes Können stellte er am Sonntag beim zweiten Internationalen Orgelkonzert in der Barockkirche in St. Peter unter Beweis.

Sein Programm aus verschiedenen Musikepochen eröffnete er mit dem "Präludium und Fuge Es-Dur" von Johann Sebastian Bach. Ohne Gewähr werden vielfach Präludium und Fuge als musikalische Darstellung der Dreifaltigkeit bezeichnet. Beide sind dreigeteilt, ähneln sich im Charakter und könnten das biblische Alpha und Omega symbolisieren, da sie am Anfang und am Ende einer der Klavierübungssammlungen des barocken Meisters stehen. Der majestätisch-pompöse Beginn mit stämmigem Bassfundament legt bei beiden die Zuordnung zu Gott Vater nahe, während der jugendlich-quirlige zweite Teil Horizonte öffnet und zu Jesus Christus passt. Im dritten Teil gehen die beiden Tonalitäten eine musikalische Symbiose ein und könnten dem Heiligen Geist zugeordnet werden. Schon hier wurde deutlich, dass sich Johannes Ebenbauer reichlich der vielen Registrierungsmöglichkeiten der beiden Orgeln der Barockkirche bedient.

Die folgende "Toccata sexta" aus dem 17. Jahrhundert des kosmopolitischen Komponisten und Organisten Georg Muffat vereint französischen und italienischen Orgelstil, denn Muffat war in beiden zu Hause. Auch hier sorgten üppig variierte Klangfarben für Unterscheidbarkeit und eigenständige Interpretation des Virtuosen.

Die "Tanz-Toccata" von Anton Heiller aus dem 20. Jahrhundert führte in die Moderne. Der aufwühlende Beginn erinnerte an Filmmusik, die zu einem Science-Fiction-Thriller passen könnte. Im zunehmend rhythmischeren Verlauf kristallisierte sich ein tänzerisches Duell zweier Widersacher mit zunächst gegenseitigem Imponiergehabe und Beleidigungen heraus, bis es final in der kämpferischen Entladung gipfelte. Hier wurde besonders deutlich, wie gekonnt und intensiv Ebenbauer Schwellwerk und Walze einsetzte, um auch innerhalb von Melodie- oder Taktfolgen Dynamisierung und somit Spannung zu steigern.

Das mitreißende Konzert wurde fortgesetzt mit drei Sätzen aus der "4. Symphonie, op. 32" von Louis Vierne. Dieses musikalische Wechselbad begann furios mit dem Allegro, führte über eine elegische Romance ins jubilierende Final. Das Publikum war so begeistert, dass entgegen der üblichen Konzertgepflogenheiten Szenenapplaus aufbrandete.

Um dem Musikgenuss die Krone aufzusetzen, bot Ebenbauer zum Finale "Improvisationen über Themen von Anton Bruckner". Es blieb wahrscheinlich keine Registervariante der beiden Orgeln ungenutzt. Da er ab der Tanz-Toccata von Heiller von der Orgelempore herabgestiegen war und für alle sichtbar den Spieltisch im Chorraum bediente, konnte man zusätzlich zum Klangerlebnis auch die technische Virtuosität des exquisiten Organisten verfolgen. Langanhaltende Beifallsstürme und Bravo-Rufe waren der verdiente Lohn für seinen begeisternden Auftritt.