Kreativ durch die Krise

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 26. November 2020

Wyhl

Suzanne Nopper und Wolfgang Gröschel widmen sich in der konzertlosen Zeit Musikvideos.

(BZ). Der Lockdown im Frühjahr und nun erneut im Spätherbst trifft viele Künstler und Kulturschaffenden schwer – auch Suzanne Nopper und Wolfgang Gröschel. Die Sopranistin aus Wyhl und der Kontrabassist aus Weisweil, auch bekannt als regionales Musikerduo "Musica Grande", nutzten die inzwischen neun Monate Corona-Pandemie und zwei Lockdowns zu kreativen Projekten. Sie versuchen, in dieser unüblichen Zusammensetzung musikalisch spannende Wege abseits des Mainstreams auszuloten und zu beschreiten.

"Sicher, es war und ist emotional und finanziell nicht einfach, so eben mal alle vereinbarten Auftritte eines Jahres zu verlieren", betont Gröschel. Doch ein monatelanges Pausieren kam für beide nicht in Frage. So lag es im März für sie auf der Hand, ihre begonnenen Erfahrungen im Erstellen eigener Musik-Videos weiter auszubauen. "Dabei haben wir als Duo gelernt und uns selbst beigebracht, ohne große Technik-Crew, sowohl die Soundtracks aufzunehmen, abzumischen und zu mastern, als auch die Video-Szenen zu drehen und später am PC zu schneiden." Gröschels Sohn Andreas steuerte ein paar Drohnenaufnahmen bei. Als Duo konnten der Musiker und die Sängerin zu jeder Zeit die gebotenen Corona-Vorsichtsmaßnahmen einhalten.

In den neun Monaten haben sie drei Musik-Videos konzipiert, arrangiert, produziert und veröffentlicht. Gröschel: "Uns war es dabei wichtig, durch die bewusst gewählten, ganz unterschiedlichen Stilrichtungen unsere musikalische Bandbreite zu dokumentieren."

Das erste Video wurde pünktlich am Ostermontag in Youtube veröffentlicht: Das Brahms-Wiegenlied "Guten Abend, gut Nacht", aufgenommen in den Rebbergen des Limbergs in der untergehenden Sonne, gedacht als tröstlicher Kontrapunkt zu den verängstigenden Erfahrungen des ersten Lockdowns. Insgesamt sei das Video inzwischen knapp 1100 mal angeschaut worden.

Mitte Juli folgte das zweite Video mit der Interpretation des Liedes "Habanera" aus Georges Bizets Oper Carmen. Gedreht wurde im Stadtgarten Emmendingen, auf der Burg Landeck und am Leopoldskanal bei Forchheim. Das Video hat inzwischen rund 1700 Aufrufe und sollte "Musica Grande" im Herbst den Weg zu einem weiteren Projekt ebnen.

Anfang November erschien das Video mit dem Jazz-Standard "Autumn leaves", das seither schon gut 800 Mal aufgerufen wurde. Gedreht wurde im Rheinwald bei Weisweil, bei der Rheinfähre Kappel, am Bushäusle in Rheinhausen und auf dem Litzelberg bei Sasbach. Dieses Video spiegele sehnsüchtige Erinnerung an die Zeiten von Liveauftritten wider, sagen Nopper und Gröschel: "Wir sind ganz ehrlich: Das Prickeln eines Livekonzertes, die Interaktion mit dem Publikum und das herrliche Geräusch des aufbrausenden Beifalles fehlen uns schon sehr."

Auf Live-Konzerte werden sie auch weiterhin verzichten müssen. Erleben können Musikfreunde das Duo dennoch.
Durch Zufall erfuhren sie im August von der Initiative "klangspektrum bw" der Baden-Württemberg Stiftung, der Eva Mayr-Stihl-Stiftung und des SWR, in der Musikerinnen und Musiker ihre Werke präsentieren konnten. Sie bewarben sich mit "Habanera" in der Rubrik Klassik/Avantgarde, wurden angenommen und mit einem Honorar von 1500 Euro belohnt. Außerdem sind sie dabei, wenn ab Donnerstag, 26. November, 20 Uhr, der Versuch eines Weltrekordes unternommen wird, indem der SWR rund 67 Stunden lang alle angenommenen Einsendungen in einem Mammutstream unter http://www.swr.de/fuer-euch-da zeigen wird.

Für Sonntag, 29. November, wurde das Duo von der Seelsorgeeinheit Nördlicher Kaiserstuhl eingeladen, den Livestream-Gottesdienst "Himmelwärts" zu umrahmen. Gröschel: "Wir sind gespannt auf unsere erste Streaming-Erfahrung. Wir eröffnen musikalisch um 18.55 Uhr." Zu sehen ist der Gottesdienst unter http://www.youtube.com/user/piktor61