Urteil

14-Jähriger aus dem Kreis Waldshut stand an der Spitze eines Kinderporno-Rings

BZ, Stefan Ammann

Von BZ-Redaktion & Stefan Ammann

Di, 07. April 2020 um 12:54 Uhr

Kreis Waldshut

Ein Jugendlicher aus dem Kreis Waldshut hat kinderpornografisches Material verbreitet und weitere Straftaten begangen – deshalb wurde er nun verurteilt. Die Ermittlungen im Rückspiegel der Kripo.

Die Kriminalpolizei Waldshut hat einen Kinderporno- und Geldwäschering aufgedeckt, an dessen Spitze ein gerade mal 14-Jähriger stand. In dem umfangreichen Ermittlungsverfahren gegen mehr als 42 Tatverdächtige kamen auch noch andere Straftaten zum Vorschein.

Sexueller Missbrauch einer 13-Jährigen

Ausgangspunkt waren laut einer Pressemitteilung der Polizei Ermittlungen im Jahr 2018 gegen einen damals 14-jährigen Jugendlichen aus dem Landkreis Waldshut, der im Verdacht stand, Betrugsdelikte begangen zu haben. Der Jugendliche hatte nicht vorhandene Waren und nicht erbrachte Dienstleistungen im Internet gegen virtuelles Geld verkauft. Bei einer Hausdurchsuchung im Oktober 2018 wurden zahlreiche Beweismittel beschlagnahmt. Die Auswertung führte zur Aufdeckung weiterer Straftaten. So verkaufte der Jugendliche laut Polizei auch kinderpornografisches Material über das Internet. In diesem Zusammenhang wirkte der Tatverdächtige auf zwei Mädchen im Kindesalter ein, die von sich selbst hergestellte kinderpornographische Bilder und Videos übersandten, was Ermittlungen wegen sexuellem Missbrauch von Kindern nach sich zog. Dadurch konnte der laufende sexuelle Missbrauch einer damals 13-Jährigen gestoppt werden.

Geldwäsche mit Gutscheinkarten

Außerdem kaufte der 14-Jährige mit dem so erlangten virtuellen Geld Gutscheinkarten, die er wiederum an neun Jugendliche aus seinem Bekanntenkreis für Bargeld weiterverkaufte. Da diese wussten, wie der Jugendliche die Gutscheinkarten erwirtschaftete, zog dies ein Ermittlungsverfahren wegen Geldwäsche nach sich. Drei dieser Jugendlichen haben nach demselben Modus betrogen und an zwei Personen Kinderpornografie versandt. Die Polizei stieß bei der Auswertung der beschlagnahmten Handys noch auf weitere Straftaten. So wurden auch gegen anderen Personen aus dem Landkreis wegen des Verbreitens von Kinderpornografie, von Pornografie an Personen unter 18 Jahren sowie von Bildaufnahmen aus dem höchstpersönlichen Lebensbereich Ermittlungsverfahren eingeleitet.

31 Männer sollen Kinderpornos gekauft haben

Die Strafverfahren gegen die zehn Jugendlichen aus dem Landkreis Waldshut sind inzwischen abgeschlossen, erklärt ein Polizeisprecher auf BZ-Nachfrage. Der 14-jährige Haupttäter wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt. Er muss eine Geldauflage zahlen und Schmerzensgeld leisten. Im Falle der anderen neun Jugendlichen wurden erzieherische Maßnahmen getroffen.

Dass die Polizei ihre Ermittlungsergebnisse erst jetzt veröffentlicht, habe ermittlungstaktische Gründe, so der Polizeisprecher weiter. Es konnten nämlich 31 Männer im Alter von 16 bis 58 Jahren identifiziert werden, die mutmaßlich mit virtueller Währung von dem Jugendlichen kinderpornografisches Bild- und Filmmaterial kauften. Gegen sie hat die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen Ermittlungsverfahren eingeleitet und diese jetzt an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden abgegeben. 30 Tatverdächtige haben ihren Wohnsitz in Deutschland, verteilt über das gesamte Bundesgebiet. Einer wohnt in Österreich.

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