Platz für Träume

Kreative verlassen Berlin und ziehen an die Pleiße

Marcel Burkhardt

Von Marcel Burkhardt

Sa, 04. Mai 2013 um 00:00 Uhr

Kultur

Das bessere Berlin: Zu Besuch bei Künstlern und Kreativen in Leipzig. Man muss sich Stefan Hölldobler als glücklichen Menschen vorstellen, als einen, der sich sein eigenes kleines Paradies geschaffen hat.

"Ein Arbeitsparadies", sagt der 29-jährige Produktdesigner mit weichem, fränkischem Akzent. In seinen traditionellen Tischlerklamotten sieht er aus wie die Figur aus einem Bilderbuch. Hölldobler passt so aber auch perfekt ins Klischeebild des alten Arbeiterviertels Leipzig-Plagwitz. Dabei hat der junge Würzburger hier gemeinsam mit einem Leipziger Tischler ganz neues Leben in alte Mauern gebracht.

Hölldobler öffnet die Metalltür zu seiner "Fabrik" und bittet hinein in einen hell erleuchteten Raum. Die Luft duftet nach frisch gesägtem Holz. Im Ofen verbrennen knackend dicke Scheite. Die Halle ist vollgepackt mit alten, aber funktionierenden Maschinen aus Bulgarien und Rumänien. Als es die DDR noch gab, reparierte hier ein ganzes Kollektiv von Frauen und Männern Elektromotoren. Mit der Wende kam das Aus, die Fabrik stand leer, verfiel zur Ruine.

Ein verlorener Ort, so schien es. Hölldobler erinnert sich an nicht mehr als ein Stahlskelett, das er vor drei Jahren mit seinem Kompagnon vorfand. Die Beiden sahen darin aber den perfekten Raum für die neue Arbeitswelt, von der sie träumten. Für wenig Geld kauften sie die Fabrikhalle samt hübschem, wildem Vorgarten und gingen an die Arbeit. Ihre Idee: Möbel und Kunstobjekte herstellen aus nachhaltig produzierten oder schon gebrauchten Materialien. Ihre Stühle, Tische, Regale und Musikboxen verkaufen sie inzwischen in mehrere Länder. "Wir leben hier einen Traum", sagt Hölldobler und sein Gesichtsausdruck verrät, dass er sein Glück wohl manchmal selbst kaum fassen kann. "In Würzburg hatte ich das Gefühl, alles ist fertig, nichts geht mehr – hier habe ich das Gefühl, alles ist möglich!"

Dieses Empfinden teilt er mit vielen jungen Kreativen. Leipzig, so scheint es, ist derzeit ein ...

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