Denker der Stunde

Wie der Terror dem Philosophen Karl Popper zum Comeback verhilft

Florian Kech

Von Florian Kech

Sa, 17. Januar 2015 um 00:00 Uhr

Kultur

Nach den Terrorattacken von Paris reden alle über die offene Gesellschaft. Hinter dem Konzept steht der Philosoph Karl Popper. Ist seine Renaissance gerechtfertigt? Ja, sagt Florian Kech.

Als Joachim Gauck am Dienstagabend unter dem Brandenburger Tor vor Tausenden von Menschen im Gedenken an die Anschläge von Paris sprach, sagte er kämpferisch: "Die Attentate haben gezeigt, wie verwundbar die offene Gesellschaft ist. Aber sie haben auch bewirkt, dass wir uns neu besinnen." Hinter dem Bundespräsidenten stand eine Phalanx aus hohen Repräsentanten. Der Präsenteste allerdings war nicht anwesend: Der, auf den sich in diesen Tagen so viele neu besinnen, manchmal direkt, meistens – wie Gauck – indirekt; mal bewusst, mal – ganz sicher nicht wie Gauck – unbewusst. Die Rede ist von Karl Popper.

Der Denker der Stunde ist seit zwanzig Jahren tot. Nach dem Terrorangriff auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo erlebt der Philosoph, den viele schon abgeschrieben hatten, eine grandiose Wiederauferstehung. Kaum ein Nachruf auf die Ereignisse vom 7. Januar, der ohne seine Formel der offenen Gesellschaft auskommt. In einer Zeit, die einem die Sprache verschlägt, wird der alte Popper zum wichtigsten Stichwortgeber; in einem Schockzustand, der blind vor Wut und Angst zu machen droht, ist er der Kompass.

MAN MUSS UM DIE OFFENE GESELLSCHAFT KÄMPFEN

Der Autor eines der wichtigsten politischen Bücher des 20. Jahrhunderts wollte eigentlich gar nicht über Politik schreiben. Erst die Verhältnisse zwangen ihn dazu. Als junger Akademiker war Popper Teil einer Wiener Bewegung, die sich vorgenommen hatte, der Philosophie allen metaphysischen Hokuspokus auszutreiben. Ihre Disziplin sollte endlich den Standards ...

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