Essay

Kulturgeschichte des Stinkefingers

Martin Halter

Von Martin Halter

Sa, 02. April 2016

Panorama

Von der revolutionären Geste zum universellen Zeichen der Verachtung: Die Kulturgeschichte des Stinkefingers /.

April 2015: Im indischen Shimla wird ein Teenager, der einem aufdringlichen Tempelaffen den Mittelfinger gezeigt hat, von dem Tier angesprungen und zu Boden geworfen. Dass jetzt auch schon Affen die Sprache des Stinkefingers verstehen, ist neu. Oder auch nicht: Der Anthropologe Desmond Morris nennt den Stinkefinger "eine der ältesten Formen der Beleidigung", die tief im atavistischen Verhalten aller Primaten verankert sei. Nach einem Urteil des Schweizer Bundesgerichts kann und muss jedenfalls jeder wissen: Wer andere mit dem Stinkefinger provoziert, braucht sich nicht zu wundern oder zu klagen, wenn er dafür verprügelt wird.
Jedes Land, jede Kultur hat eigene Gesten, um auf obszöne und aggressive Weise Verachtung, Hass und Ehrabschneidung auszudrücken. Im arabischen Raum ist es etwa die aus Zeigefinger und Daumen gebildete Feigenhand Fica, das Schuhewerfen oder der gereckte Daumen, der bei uns als Okay-Zeichen gilt. In Griechenland ist es die Moutza, die dem Feind präsentierte Handinnenfläche, oder der ausgestreckte Unterarm, im Französischen auch als Bras d’honneur und in Brasilien als Banane bekannt. Der Autofahrer-Vogel wird in ganz Europa gezeigt und geahndet. Aber nur der Stinkefinger (englisch: flipping the bird, spanisch: corte de manga, französisch: doigt d’honneur) ist ein globales Icon, ein allgemeinverständliches, körpersprachliches Piktogramm wie Verkehrsschilder, WC-Symbole oder Firmenlogos.
Das stumme Zeichen für "Fuck off" ist eine uralte Geste, deren Verbreitung seit etwa einem halben Jahrhundert unaufhaltsam voranschreitet und in den vergangenen Jahren förmlich ...

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