Das Licht im tiefen Schwarz

Herbert M. Hurka

Von Herbert M. Hurka

Sa, 15. Juni 2019

Kunst

Das Freiburger Morat-Institut zeigt eine Retrospektive mit Arbeiten von Jaroslav Kovár.

1000 Arbeiten des tschechischen Künstlers Jaroslav Kovár befinden sich in der Sammlung des Freiburger Morat-Instituts. Der beachtliche Lagerbestand hat seine Geschichte darin, dass der Künstler nach seiner Ankunft in Deutschland 1968 von dem Mäzen Franz Armin Morat in jeder Hinsicht den Rückhalt erfahren durfte, der es ihm ermöglichte, sich in Freiburg zu einem viel beachteten Radierer zu entwickeln. Seinen Arbeitsplatz fand er hauptsächlich in der Künstlerwerkstatt Mehlwaage, die, obwohl ein äußerst lebendiges Zentrum der damaligen Kunstszene, in einem Schwung mit der Städtischen Galerie Schwarzes Kloster aus dem Stadtzentrum an die Ausfallstraße in Zähringen entsorgt wurde.

Die Reduktion auf die Diagonale

Nun zeigt das Morat-Institut in einer Retrospektive Kovárs Entwicklung seit den frühen surrealistischen Zeichnungen über figurative und symbolistische Bilder bis hin zum abstrakten Spätwerk aus jenen Radierungen, die mit dem Namen des 2001 mit 65 Jahren verstorbenen Künstlers verbunden bleiben werden. In seiner sehr persönlichen Laudatio erinnerte Herbert Maier an die Zusammenarbeit an der Druckerpresse der Mehlwaage und beschrieb Kovárs Weg zur Abstraktion. Nach verschiedenen Übergangsstadien reduzierte sich der Bildraum so weit, dass für die Komposition zuletzt eine Diagonale genügte. Während auf den Gemälden eine sehr zurückhaltende Palette zum Einsatz kommt, polarisiert sich die Skala bei der Radierung auf Schwarzweiß inklusive Grauabstufungen. Der diesem dualistischen Schema entsprechende Hell-Dunkel-Gegensatz ist von vornherein nicht nur kulturell und symbolisch, sondern auch psychologisch hochgradig besetzt: Licht – Finsternis, Hoffnungslosigkeit – Zuversicht, Gut – Böse, Himmel – Hölle. Gerade da aber zeigt sich Kovárs meisterhafte Beherrschung des Metiers, weil stets der künstlerische Überschuss die Aufmerksamkeit beansprucht, so dass solche Interpretationen zwar durchaus legitim sein mögen, die Werke sich aber in solchen Zuschreibungen keineswegs erschöpfen. Das könnte Herbert Maier gemeint haben, als er gegen das dualistische Kompositionsprinzip in der besonderen, nur in der Radierkunst möglichen Pigmentierung, in Kovárs tiefem Schwarz Licht entdeckt haben will.

Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft, Lörracher Str. 31, Freiburg. Bis 14. Juli, Sa 11–18 Uhr.