Freie Gestaltung, fester Glaube

René Zipperlen

Von René Zipperlen

So, 14. Juli 2019

Kunst

Der Sonntag Gruppenausstellung "DNArt" in Schopfheim.

Vier sehr unterschiedliche Positionen vereint die zweite Auflage der von Oliver Fauser kuratierten Ausstellung "DNArt" in der Kulturfabrik Schopfheim. Mag das titelgebende Wortspiel etwas mutwillig klingen, die Mischung ist allemal sehenswert.

Wie eine klassische japanische Tuschezeichnung wirkt der Blick, den die in Basel lebende Fotografin Miki Buckland von unten in das dichte Blätterwerk nur noch zu erahnender Bäume geworfen hat – ein Spiel mit organischen Formen und starken Gegenlichteinfällen, deren Gleißen das Motiv ins Abstrakte fließen lässt. Mit ähnlichen Effekten arbeitet sie im Print "Bubbles", in dem Wasserbewegungen eine fast groteske aufgewirbelte Fläche erzeugen. Im Gegensatz dazu steht der Ausschnitt eines Kettenkarussells, dessen Überschärfe einen fast unwirklichen Gegensatz zur Bewegungsunschärfe der zerflossenen Umgebung bildet. Andere Arbeiten haben wieder stark grafischen Charakter, Buckland zeigt aber auch mit raffinierter Sensibilität eingefangene Straßenszenen aus Tokio, dessen Silhouette sie in einem anderen Bild fast unwirklich ausdampfen lässt.

Alte Bekannte stehen im zweiten Raum: Tanja Bürgelin-Arslans Entenquartett, das – deutlich größer – den Verkehrskreisel in Eimeldingen ziert. Die Künstlerin zeigt sich hier nachdenklich, mahnend und mit tief religiösen Überzeugen. Nicht nur ist da die Erlöserfigur, die als strahlende Silhouette aus einem Kruzifix aus schwarzen Miniaturschädeln erwächst. Die aus 10-Cent-Münzen erbaute Engelsfigur "Mammon" (mit Gebets- bank zum Niederknien) ist klassische Materialismuskritik, während die Goldfaden-Nagel-Figur "Aura" oder einander berührende Metallhände die Halt gebende Kraft des Glaubens thematisieren.

Annette Mewes-Thoms aus Hamburg widmet sich in akribischen und doch verspielten Arbeiten der Linie und löst sich ganz von der Wirklichkeitsdarstellung. In sich überlagernden Schichten verschiedener Farbtöne verdichten sich die genau und doch frei gearbeiteten Zeichnungen zu Formen, Kreis- und Spiralfiguren. Mal verspielt-organisch, mal in strenger Geometrie, deren Schwarz- und Grautöne wie in Op-Art-Gemälden eine irritierende Bewegung erzeugen.

Organisator Oliver Fauser eröffnet die Ausstellung im ersten Raum mit kraftvoll-plakativen Arbeiten, die sich trotz ihrer Wucht gegen die Werke seiner Mitstreiterinnen behaupten müssen. Er präsentiert vor allem nach Fotos gearbeitete Porträts, deren Konturen er mit Polystyrolwucherungen dreimensional ausarbeitet und die er dann mit Spachtelmasse und Farben zu Pop-Art-Objekten verarbeitet: Lennon, Cobain, Hendrix, Obama blicken knallig von der Wand. Dazu kommen Frauenbilder in Schwarz-Weiß, die teilweise ebenfalls Stars zeigen, teilweise aber auch einen Hang zu leicht trashiger 80er-Jahre-Erotik. Im Gegensatz zu den schlichten Motiven stehen freilich die bizarren Oberflächen, aus denen sich die Konturen abheben.raz
DNArt Kulturfabrik Schopfheim, Mittwoch, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr (bis 21. Juli)