Kunst als Erkundung

Helmut Rothermel

Von Helmut Rothermel

Sa, 08. Juni 2019

Waldkirch

Silke Kästners Arbeiten sind kommunikativ / Ausstellung beim GeorgScholzHaus-Kunstforum.

WALDKIRCH. Interaktion, Kommunikation, Farbe, Bewegung,Spontaneität, Forschen und Erkunden sind Schlüsselbegriffe der Kunst von Silke Kästner. Malerei, Collagen, Installationen, Videos sind ihre Ausdrucksmittel, sowohl Vergängliches wie Bleibendes umfasst ihr Werk. Eine Ausstellung von ihr wird am Pfingstsonntag, 9. Juni, im Bürgerhaus Waldkirch beim GeorgScholzHaus-Kunstforum eröffnet.

Die 1971 in Bühl geborene, in Oberkirch aufgewachsene und in Berlin beheimatete Künstlerin war während ihres Studiums an der Pädagogischen Hochschule Freiburg zunächst mehr der Musik verbunden, zugleich aber schon als Kind und Jugendliche von der heimatlichen Ortenauer Kunstszene beeindruckt, als Inspirationsquellen nennt sie etwa Rainer Braxmaier und Gabi Streile. Schließlich verlagerte sich ihr Interessenschwerpunkt von der Musik auf die Malerei, es folgte ein Kunststudium in Berlin. Ausschlaggebend hierfür war aber nicht die Aussicht auf eine zurückgezogene Existenz im Atelier, ganz im Gegenteil: Kunst gab ihr die Möglichkeit, ihr großes Interesse an anderen Kulturen und Welten zu stillen, sich auf Fremdes und Unbekanntes einzulassen und den eigenen Horizont zu erweitern und zu bereichern.

Stipendien eröffneten ihr die Möglichkeit, Indien, New York und Japan zu entdecken, sich mit den dortigen Menschen auszutauschen, ungewohnte Perspektiven kennenzulernen und eigene Ideen einzubringen. Über die Entstehung eines Kunstwerks komplette Kontrolle zu haben, liegt ihr fern. So kann sie mit einem Handkarren voller Utensilien durch eine Stadt ziehen, kurz vor einem Umbau oder Abriss stehende Örtlichkeiten aufsuchen, dort vergängliche "Eintagsarbeiten" erschaffen, die aber, fotografisch dokumentiert, weiterleben und deren Idee dann an neuen Orten wieder aufgenommen und weitergeführt werden kann. Zugleich haben solche Arbeiten einen öffentlichen Charakter, der Schaffensprozess wird beobachtet und kommentiert, das Ergebnis entsteht durch Interaktion und Kommunikation.

Diese von Neugier und Interesse am gar nicht passiv konsumierenden, sondern kommunizierenden "Beobachter" angetriebene Unstetigkeit ist jetzt aber etwas zurückgetreten, denn inzwischen ist Kästner zweifache Mutter, ein Fakt, der unbeschränkter Mobilität doch gewisse Grenzen setzt. Genauso spannend kann für sie auch die gänzliche Zurückgezogenheit, die örtliche und inhaltliche Sammlung und Konzentration sein. Malen wird dann zum höchst meditativen Prozess, der oft mit äußerster Reduktion von Farbe und Objekt verbunden ist. Apropos Farben: Oftmals stellt sie diese selbst her.Beeren werden gepflückt, ihr Saft ausgekocht und dann die unterschiedliche Wirkung auf verschiedenartigem Papier beobachtet. Dazu kommen die Verwendung von Eitempera, Acryl, Öl und auch der Siebdruck. Die (bleibenden) Arbeiten auf Leinwand sind klein- oder großformatig und nicht selten von explodierender Farbigkeit. Oft sind es Rollbilder, die erforscht und erkundet werden müssen. Erst die Drehung des aufgerollten Bildes durch den Betrachter gibt dessen Geheimnisse frei. Aber auch Kästner selbst ist eine Forscherin, welche die Reaktionen der Umwelt auf ihre Aktionen und Installationen als Videofilmerin festhält. Ein riesiges, sich über zwei Etagen erstreckendes Rollbild empfängt den Besucher der Waldkircher Ausstellung im Treppenhaus des Eingangs zum Kunstforum – eine aussagekräftige Einführung in eine faszinierende Ausstellung.

Info: Die Vernissage zur Ausstellung findet am Sonntag, 9. Juni, um 11 Uhr statt. Anschließend gibt es ein Kunstgespräch mit Silke Kästner (nicht am Pfingstmontag, wie ursprünglich geplant!); am 15. Juni ist eine Schreibnacht in der Ausstellung, am 26. Juni ein Kreativworkshop für Erwachsene, am 30. Juni ein Sommerkonzert mit dem Trio Briósch und ein Sommerfest. Öffnungszeiten der Ausstellung: 9. Juni bis 14. Juli, Freitag und Samstag 15 bis 18 Uhr, Sonntag und Feiertag 11 bis 16 Uhr.