Ausstellung

Die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen zeigt Gemälde von Franz Radziwill

Hans-Dieter Fronz

Von Hans-Dieter Fronz

Fr, 08. Februar 2019

Kunst (TICKET)

Die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen zeigt Gemälde von Franz Radziwill.

Rauchende Schlote, riesige Kräne, Flugzeuge in bedenklichen Kurven in der Luft: Franz Radziwill war von moderner Technik fasziniert – so wie man selbst von etwas Unheimlichem fasziniert sein kann. Der norddeutsche Künstler, Generation Expressionismus, malte auch Stillleben, Porträts, Selbstbildnisse. Doch wofür man ihn heute noch kennt, sind seine Bilder einer vom Krebsgeschwür der Technik zerfressenen modernen Welt. Radziwill malt sie als apokalyptische Visionen. Und er verhöhnt diese Welt zugleich in Titeln wie "Der Mensch folgt dem Narren lieber als..." – dem Künstler, wäre wohl zu ergänzen: ihm selbst, der um die Jahrhundertmitte Naturschützer wurde.

"Die Landschaft der Technik" nennt er ein Bild von 1958. In der Tat verbindet Radziwill in seiner Malerei häufig Technik als Sujet mit Landschaft, ihrem romantischen Gegenpol. So dass der Titel der aktuellen Ausstellung der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen, entstanden in Kooperation mit der Kunsthalle Emden, durchaus Sinn macht: "Franz Radziwill und die Gegenwart. Landschaft, Technik, Medien".

"Der Sturz des Ikarus" ist ein spätes Bild von 1960 überschrieben. Ein anderes, zwei Jahre davor gemalt, heißt "Mit der Technik den Himmel vernagelt". Und, trotzig, ein noch früheres: "Der Kosmos kann zerstört werden, der Himmel nicht". Am besten ist Radziwill in seinem Frühwerk. Da malt er schlicht und einfach, was ist. Den Wasserturm in Bremen – buntfarbig. Gigantische Sendemasten: nahe dem Meerdeich. Eine Mole mit Riesentanker, bei Nacht. Es sind magische Bilder, die eine Faszination erzeugen, welcher erkleckliche Anteile des Unheimlichen beigemischt sind.

Termine: Städt. Galerie Bietigheim-Bissingen, Hauptstr. 60–64. Bis 22. April, Di, Mi, Fr 14–18 Uhr, Do 14–20 Uhr, Sa, So 11–18 Uhr