Kunstwerke im Krematorium

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Fr, 22. November 2019

Eschbach

Christina Hanser stellt ihre Bilder im Krematorium Südbaden in Eschbach aus / Vernissage am Freitag.

ESCHBACH. Ein Krematorium ist ein ungewöhnlicher Ort für eine Kunstausstellung. Dabei weckt ein Besuch in den hellen, großzügigen Räumen des Krematoriums Südbaden in Eschbach den Eindruck, als wären die Bilder der in Schmidhofen lebenden Künstlerin Christina Hanser eigens für das Krematorium gemalt worden. Am Freitag um 19 Uhr findet die Eröffnung der Ausstellung mit einer öffentlichen Vernissage statt.

Zufällig sei sie auf der Suche nach passenden Bildern für die vielen Wände in den lichten und großen Räumen des erst Ende Juli eröffneten Krematoriums im Gewerbepark in Eschbach auf die Malerin Christina Hanser gestoßen, sagt Christiane Behr, Trauerrednerin und Mitarbeiterin des Krematoriums.

"Darüber hinaus" heißt das dreiteilige, 450 mal 200 Zentimeter große Gemälde, das als erstes aufgehängt wurde. Christina Hanser hat es 2018 gemalt. Es hängt im großen Raum der Kremation, in dem Angehörige den Verstorbenen bis zum Eingang ins Feuer begleiten können. Sonnengelbe Farbtöne, Blau- und Rottöne verbinden sich zu einem Ganzen, das Ruhe ausstrahlt, Assoziationen zulässt und jeden Menschen auf seine ganz eigene Weise anspricht.

Man kann Landschaften in den Bildern der Künstlerin entdecken oder bestimmte Aussagen wie Hoffnung oder Auferstehung. Allein der Rundgang mit Christina Hanser und Christiane Behr durch die Räume des Krematoriums, die alle mit den Bildern geschmückt sind, verdeutlichte schon, dass jeder Mensch unterschiedliche Gedanken und Gefühle mit den Bildern in Verbindung bringt. "Ähnlich wie bei Wolken, sieht jeder etwas anderes in einem Bild", sagt die Künstlerin. In der großen Trauerhalle mit Blick ins Grüne, in dem Abschiedsfeiern stattfinden können, hängt das Werk "Am See". Es entstand schon 2014 und hat in der Trauerhalle einen hervorragenden Platz gefunden. "Es berührt mich sehr, dass meine Bilder hier gelandet sind", sagt Christina Hanser, die nicht an Zufälle glaubt. Der Tod spielt eine große Rolle in ihrem Leben, vor zwei Jahren starb ihr Mann; sie hat sogar schon selbst von einem ihr nahestehenden Menschen an diesem Ort Abschied genommen.

Christina Hansers Bilder entstehen in einem längeren Prozess. Sie mischt die Farben selbst aus Pigmenten und einer Bienenwachsemulsion. Sie trägt die Farben auf die Leinwand auf, mal mit Pinseln, mal mit einer Walze. Fließstrukturen bilden sich durch Schüttungen, oft mit Sand, aber auch mal mit Bitumen. "Ich habe am Anfang keine Gestaltungsidee, sondern eher eine Farbidee. Ich drehe die Bilder oft, wechsle die Perspektive, arbeite daran weiter, solange bis ich zufrieden bin", erklärt Hanser den Schaffensprozess.

Die Künstlerin arbeitet auch als Kunstpädagogin, bietet Malkurse für Kinder und Erwachsene an, sowie Ausdrucksmalen für Menschen mit geistiger Behinderung und Menschen mit Demenz. Einzelpersonen können in ihrem Atelier unter Anleitung malen. Bei der Vernissage am Freitag spricht die Diplomtheologin Barbara Rolf, die eine eigenes Bestattungsinstitut in Stuttgart aufbaute und für individuelle Bestattungskultur steht. Die Bandoneonspielerin Almut Wellmann begleitet die Ausstellungseröffnung musikalisch.

Ausstellung von Christina Hanser im Krematorium Südbaden, Biengener Straße 8d in Eschbach bis zum 6. März 2020. Rundgänge mit der Künstlerin finden am Mittwoch, 8. Januar, und am Donnerstag, 13. Februar, jeweils um 18 Uhr statt.
Vernissage am Freitag, 22. November, 19 Uhr.

Infos im Internet unter http://www.christina-hanser.de