Mischkonzern spürt die Krise

Kurzarbeit in den Freudenberg-Werken Oberwihl und Neuenburg

Jörg Buteweg und dpa

Von Jörg Buteweg & dpa

Mi, 01. April 2020 um 18:11 Uhr

Wirtschaft

Die Corona-Krise und die Schwäche der Autoindustrie schlagen beim Mischkonzern Freudenberg durch. In Neuenburg ist der größte Werksteil stillgelegt , im Werk Oberwihl wird kurzgearbeitet.

Die Corona-Krise trifft auch den Weinheimer Mischkonzern Freudenberg mit seinen Werken in Südbaden. Das Werk Neuenburg der Tochtergesellschaft Vibracoustik sei derzeit geschlossen, teilte das Unternehmen am Mittwoch bei der Vorlage der Geschäftszahlen für 2019 mit. Vibracoustik liefert Torsionsschwingungsdämpfer, Isolatoren und Tilger für die Autoindustrie. Das sind Teile, die den Fahrkomfort beeinflussen. Weil viele Autohersteller die Produktion eingestellt hätten, würden auch keine Teile von Vibracoustik mehr abgerufen. Die Produktion ruhe, heißt es bei Freudenberg. Wann sie wieder aufgenommen werde, sei offen. Bei Vibracoustik in Neuenburg arbeiteten am Jahresende 2019 rund 530 Mitarbeiter, insgesamt gab es in dem Werk 640 Beschäftigte, laut Mitteilung 33 weniger als ein Jahr zuvor.

Im Werk Oberwihl, einem Ortsteil von Görwihl im Hotzenwald, werde seit Jahresende 2019 kurzgearbeitet, teilte Freudenberg mit. Grund ist nicht die Corona-Krise, sondern die schwache Nachfrage der Autoindustrie nach den O-Ringen, die in Oberwihl gefertigt werden. Das sind Dichtungselemente. Die Kurzarbeit sei für ein Jahr beantragt, so die Freudenberg-Mitteilung. In dem Werk waren zum Jahresende 341 Mitarbeiter tätig, 49 weniger als ein Jahr zuvor. Wegen der zurückgehenden Nachfrage der Autohersteller habe man befristete Arbeitsverträge nicht verlängert. Die Freudenberg Gruppe beschäftigt mehr als 48 800 Menschen. Ende 2018 waren es noch mehr als 49 100.

In der aktuellen Krise will der Mischkonzern Freudenberg seine Produktion von Vliesen für Mundschutzmasken ausbauen, wie er am Mittwoch mitteilte, heißt es in der Mitteilung. Eine konkrete Prognose wagte Freudenberg-Vorstandschef Mohsen Sohi vor dem Hintergrund der Krise nicht. "Als Zulieferer stellen wir uns auf schwierige Monate ein. Selbstverständlich sind die Auswirkungen in vollem Maß heute noch nicht abzusehen", wird er zitiert.

Im Geschäftsjahr 2019 verzeichnete der Hersteller von Dichtungen, technischen Textilien, Filtern, Reinigungstechnologien, Spezialchemie und medizintechnischen Produkten gegenüber 2018 geringfügig gesteigerte Erlöse (siehe Grafik). Das hatte Sohi angekündigt und mit den Schwierigkeiten der Autobranche begründet. Auf sie entfällt die Hälfte des Freudenberg-Umsatzes. Das Weinheimer Unternehmen produziert etwa Elektrobatterien für Nutzfahrzeuge und Kreuzfahrtschiffe sowie Komponenten für die Elektroautos, darunter Hitzeschilde für Batterien. Bei den Haushaltsprodukten, die unter dem Namen Vileda firmieren, stieg der Umsatz von 931 Millionen auf 975 Millionen Euro.

Das Betriebsergebnis lag mit 820 Millionen Euro unter dem Vorjahresniveau von 910 Millionen Euro. Als Gründe werden der Abschwung der Automobilindustrie, die schwächere wirtschaftliche Entwicklung in China sowie die Anlaufkosten für den Ausbau des Batterie- und Brennstoffzellen-Geschäfts genannt.