Dritte Welle

Landesregierungen stellen weitere Corona-Lockerungen in Frage

Norbert Wallet, Christopher Ziedler

Von Norbert Wallet & Christopher Ziedler

Mi, 17. März 2021 um 20:39 Uhr

Deutschland

Corona-Infektionen in Deutschland steigen wieder rasant, vor allem bei Jüngeren. Viele Kommunen heben die Lockerungen bereits auf. Wann die Länder nachziehen, bleibt wohl eine Frage der Zeit.

In Deutschland türmt sich die dritte Welle der Coronapandemie immer deutlicher auf. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Mittwoch 13 435 Neuansteckungen und eine Sieben-Tages-Inzidenz von 86,2 pro 100 000 Einwohner. Vor allem gibt es eine Zunahme bei jüngeren Menschen. Vor diesem Hintergrund haben mehrere Bundesländer bereits vor dem nächsten Coronagipfel am Montag beschlossen oder signalisiert, mögliche Öffnungen zurückzustellen.
"Ich werde mir gut überlegen, ob ich am Montag weitere Öffnungen mache." Winfried Kretschmann
Für Baden-Württemberg nahm Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) mögliche Lockerungen de facto vom Tisch: "Jetzt bei der Situation werde ich mir gut überlegen, ob ich am Montag weitere Öffnungen mache", sagte er in der ZDF-Sendung "Markus Lanz". Er erwäge, die Öffnung vorerst auszusetzen. Da die Inzidenz im Bundesdurchschnitt und auch in vielen Ländern und Kreisen noch nicht den Wert 100 erreicht hat, wäre es nach den jüngsten Beschlüssen der Ministerpräsidenten und der Kanzlerin theoretisch möglich gewesen, in der kommenden Woche beispielsweise die Außengastronomie, aber auch Kinos und Theater wieder für Besucher mit einem tagesaktuellen Schnelltest zu öffnen. Nachdem am Dienstag der Berliner Senat diesen Öffnungsschritt zurückgestellt hatte, wurden am Mittwoch auch in Schleswig-Holstein ähnliche Beschlüsse getroffen.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erklärte das Konzept der geplanten Lockerungen angesichts der stark steigenden Fallzahlen für gescheitert: "Es funktioniert nicht", sagte er in einer Videokonferenz mit Bürgermeistern aus dem Erzgebirgskreis: "Jetzt müssen wir versuchen, die Sache wieder einzufangen und vor die Lage zu kommen."

Ab einer 7-Tage-Inzidenz von 100 greift die sogenannte "Notbremse"

Die Bund-Länder-Runde zu Monatsbeginn hatte auf Drängen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eine "Notbremse" vereinbart. Sie besagt, dass zu den bis Anfang März geltenden Einschränkungen zurückgekehrt werden muss, wenn in einer Region an drei aufeinanderfolgenden Tagen Inzidenzwerte von mehr als 100 verzeichnet werden. Weil das in zahlreichen Landkreisen der Fall ist, aber bisher nicht alle davon vorangegangene Öffnungsschritte rückgängig gemacht haben, gab es am Mittwoch mehrere Appelle der Bundesregierung, aber auch in den Ländern. "Ich erwarte, dass die Landräte ihre Verantwortung wahrnehmen", sagte etwa Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD): "Wenn es nicht passiert, dann wird das Land handeln."

Jüngere Menschen haben nun die höchste Inzidenz

Laut dem aktuellen Lagebericht des RKI steigen die Inzidenzen derzeit vor allem bei jüngeren Menschen. Am höchsten seien sie bei den Menschen zwischen 15 und 44 mit Werten über 100. Der stärkste Anstieg sei derzeit bei Kindern bis 14 Jahren zu beobachten, "wo sie sich in den letzten vier Wochen verdoppelt haben", so das RKI. Die bundesweite Zahl an Kita-Ausbrüchen bezifferte das RKI auf je 87 pro Woche in den letzten beiden Februarwochen. Am 22. Februar waren in einer Reihe von Bundesländern weitere Grundschulen und Kitas geöffnet worden.

Auch in Baden-Württemberg ist unterdessen die Sieben-Tage-Inzidenz weiter gestiegen. Am Mittwoch lag sie bei 84,7 nach 79,8 am Dienstag und 74,7 am Montag.