Lange Haft für griechische Neonazis

Gerd Höhler

Von Gerd Höhler

Do, 15. Oktober 2020

Ausland

Prozess gegen Parteifunktionäre.

Im Strafverfahren gegen führende Funktionäre der griechischen Neonazi-Partei Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) hat ein Athener Gericht am Mittwoch langjährige Haftstrafen verhängt. Das Parteimitglied Giorgos Roupakias muss lebenslang ins Gefängnis. Er wurde des Mordes für schuldig befunden.

Roupakias hatte im September 2013 den linken Rapper Pavlos Fyssas in Athen auf offener Straße erstochen. Gegen den Vorsitzenden der Partei, Nikos Michaloliakos und fünf ehemalige Parlamentsabgeordnete der Goldenen Morgenröte verhängte das Gericht je 13-jährige Haftstrafen wegen Anführens einer kriminellen Vereinigung. Weitere 15 Parteimitglieder verurteilte es zu fünf bis sieben Jahren Gefängnis. Der Prozess gegen insgesamt 68 Angeklagten dauerte fünf Jahre.

Die 1985 von Michaloliakos gegründete Partei war lange eine kaum beachtete politische Sekte. Der Finanzkrise und der Massenarbeitslosigkeit nach 2010 verdankte sie ihren Aufstieg. Bei den Wahlen 2012 gewann sie 18 Mandate und stellte die drittstärkste Fraktion im Parlament. Damals machte die Partei mit Hassparolen gegen Ausländer, Übergriffen gegen Migranten und antisemitischen Tiraden Schlagzeilen. Inzwischen schwindet ihr Einfluss. Bei den Wahlen 2019 scheiterte die Partei an der Drei-Prozent-Hürde.