Doppelstadt literarisch festgehalten

Burgschreiber von Laufenburg verabschiedet sich

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

So, 26. Mai 2019 um 19:01 Uhr

Laufenburg

Markus Manfred Jung präsentiert Gedichte und Prosa, die während seiner Zeit in Laufenburg entstanden sind. Liedermacher Uli Führe überrascht bei Lesung.

Die Zeit als erster Burgschreiber von Laufenburg neigt sich für Markus Manfred Jung dem Ende zu. Zum Abschluss zog der Autor und Mundartlyriker aus Hohenegg in der Stadtbücherei ein sehr positives Resümee seines literarischen Schaffens in den beiden Städten und las Prosatexte und Gedichte, die während der 13 Wochen des Stipendiums entstanden sind.

"Meine Notizen würden für vier Bücher reichen," erzählte Jung von unzähligen Inspirationen, Begegnungen und Beobachtungen, die er im schweizerischen und badischen Laufenburg verarbeitet hat. "Sehr positiv überrascht" habe ihn, wie offen und interessiert er auf beiden Seiten des Rheins von der Bevölkerung angenommen wurde. Viele Leute hätten ihm Anregungen fürs Schreiben gegeben.

Der etablierte Mundartlyriker und Schriftsteller hat nicht nur seine Eindrücke vom Alltag, der Landschaft, der Natur, den Menschen in der Doppelstadt literarisch umgesetzt, sondern auch mit Schülern in Workshops gearbeitet und sieben öffentliche Lesungen gemacht. Sein Verständnis für die "einzigartige" Doppelstadt sei intensiv gewachsen, bestehende Freundschaften hätten sich vertieft und neue seien entstanden.

In der Stadtbücherei trug Jung vor vollbesetzten Reihen einen Teil seiner literarischen Laufenburg-Impressionen vor. Als Überraschungsgast hatte er den Liedermacher, Komponisten und Musiker Uli Führe dazu geholt, mit dem er seit 43 Jahren zusammenarbeitet. Aus den gemeinsamen CDs "Ikarus" und "Federeliicht" trugen die beiden drei Stücke vor, in denen Führe Texte von Jung klanglich experimentell und originell vertont hat. Jung las auch aus seinem Text "Aufbruch" über eine Wanderung durch die Schweiz bis nach Italien, an dem er in Laufenburg weiter geschrieben hat. Tagebuchnotizen, Erinnerungen, Beobachtungen sind darin versammelt. In einem Textstück ging es um "Symbol und Aberglaube", Klopfen auf Holz und Glückscents. In einem essayistischen Text thematisierte Jung den "Stau", den täglichen Verkehrsstau in Laufenburg, der "chaibe saulang" sei, wobei er das Thema metaphorisch weiterdachte mit Betrachtungen über die Altstädte mit ihren Mittelalterhäusern und den Heilern und Druiden, auf die er hier gestoßen ist.

Sinnsprüche und Graffiti an Turmwänden

In dem satirischen Text "Burgschriiber" setzte er sich mit dem eigenen Schreiben auseinander und mit den Dichtern, die vor ihm auf der Burgruine waren und Wichtiges, Sinniges und Sinnsprüche hinterlassen hätten als Graffiti an den Wänden des Turms. Auch Auszüge aus dem Text "Ankommen" stellte Jung vor.

Darin betrachtet er Laufenburg von verschiedenen Richtungen her kommend. Er beschreibt die atemberaubende Aussicht, wenn man vom Hotzenwald nach Laufenburg herabsteigt, auf Waldpfaden, den Bach entlang. Er schildert malerisch in den Worten die Stelle am Rhein, wo einst der ungezähmte Laufen toste und die Strudel und Wirbel ein grandioses Naturschauspiel boten. Satirisch geriet Jungs Text über Erlebnisse auf einer Wanderung im Wald, über Goretex-Paare und die vielen Schilder, mit denen alles geregelt und verboten wird: "Schildbürger in Schilda sind wir geworden." Auch in einem Beitrag über "Klein-Amerika", das Einkaufszentrum Laufenpark und die Innenstädte, die zu "Schlafstädten" mutierten, zeigte sich Jung als zeitkritischer Beobachter.

Ein weiterer Text ging über die "Doppelstunde Mundart", die er in den Schulen gehalten hat. Mit vier lyrisch tiefgründigen, ausgefeilten Gedichten, darunter einem über den Rhein, beschloss Jung seine Lesung. Die Autorin Petra Gabriel, neben Martin Willi Mitorganisatorin des Burgschreiber-Stipendiums, dankte den beiden Städten, den "Paten" Martin Blümcke und Hannes Burger sowie den Gastgebern, die mitgezogen hätten. Regierungsrätin Franziska Roth, Stadtammann Herbert Weiss und Bürgermeister Ulrich Krieger werteten das Burgschreiber-Projekt als "vollen Erfolg". Mit Jung habe man einen Glückstreffer gelandet, so Krieger. Der Autor sei sehr präsent gewesen in den Städten, in den Schulen, bei Lesungen, hätte sich nicht in der Schreibklause versteckt.