Lehrer ärgern sich übers Ministerium

Stephanie Streif und dpa

Von Stephanie Streif & dpa

Di, 30. Juni 2020

Südwest

Freistellung vom Unterricht.

. Schulleitungen und Lehrkräfte zeigen sich darüber verärgert, wie das Kultusministerium in der Corona-Krise informiert. Aktuelles Beispiel: der hohe Lehrerausfall im Klassenzimmer. Wie eine Auswertung des Spiegel ergeben hat, lag der Anteil der im Präsenzdienst nicht dienstfähigen Lehrer in Baden-Württemberg in den vergangenen Wochen mit 20 Prozent am höchsten von allen Bundesländern.

Lehrer, die trotz Vorerkrankung gerne unterrichtet hätten, ärgern sich über unklare Ansagen. Das Kultusministerium habe sie aus dem Präsenzunterricht abgezogen, kommuniziere dies jetzt aber so, als hätten sich diese Lehrkräfte selbst freigestellt. Auf einem Formblatt, das an alle Lehrer ging, hatten diese angeben müssen, wenn sie an einer Vorerkrankung wie Krebs, Asthma oder Bluthochdruck leiden und der Risikogruppe A angehören. Damit, so steht in dem Papier, seien sie "von der Präsenzpflicht an der Dienststelle entbunden und kommen ihrer Dienstverpflichtung von zuhause nach".

Gab es ein Verbot für die Risikogruppe?

Die Bildungsgewerkschaften GEW und VBE schließen daraus: "Das Kultusministerium hat definitiv so informiert, dass die Risikogruppe A nicht in die Schule darf", wie die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz sagt. Ein Verbot also? "Ja", sagt Moritz. "Nein, zumindest nicht streng juristisch", sagt dagegen auf Anfrage das Kultusministerium und bleibt in der Formulierung vage: Ob es sich um ein Verbot handele oder ob die Lehrerinnen und Lehrer das nur so aufgefasst haben, sei angesichts der Ausnahmesituation unerheblich, schreibt eine Pressesprecherin.

Gerhard Brand, Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), berichtet, ihm hätten viele Lehrkräften gemailt, die sich schlecht informiert fühlten. Sowohl Moritz als auch Brand erinnern sich an eine Telefonkonferenz am 15. Mai, in der Ministerialdirektor Michael Föll ankündigte, Lehrern der Risikogruppe A die Rückkehr an die Schule zu ermöglichen – etwa durch ein Attest. Die Lockerung ist in vielen Schulen aber nicht angekommen. Für Brand hakt die Kommunikation: "Das Kultusministerium wäre gut beraten, einfache und klare Aussagen zu machen."

Auch im Zusammenhang mit der vollständigen Öffnung der Grundschulen am Montag sieht Brand Probleme. Corona-Ausbrüche an Schulen im Landkreis Göppingen und in Bretten sorgten "für Verunsicherung der Kollegen, nachdem das Kultusministerium uns gesagt hat, Kinder (...) seien keine Infektionstreiber".