Alles auf Abstand mit jeder Menge Leidenschaft

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Fr, 22. Mai 2020

Leichtathletik (regional)

Die Leichtathleten des TB Löffingen setzen bei der Rückkehr in einen durch die Corona-Pandemie beschränkten Trainingsalltag konsequent das Schutzkonzept um.

Der Dornröschenschlaf ist vorbei. Das Leben tobt zwar noch nicht im Löffinger Haslachstadion, aber es ist zurück. Vereinzelte Rufe und Kinderlachen sind im weiten Oval zu hören. Wo sonst zu dieser Abendstunde bis zu 25 Jungen und Mädchen herumwuseln, haben sich jetzt auf der Laufbahn, dem Rasen und neben der Weitsprunggrube drei Grüppchen versammelt mit reichlich Abstand dazwischen. Leichtathletiktraining in Zeiten der Corona-Pandemie – das ist weit entfernt von der Normalität, aber sehr viel besser als nichts.

. Eine Woche zuvor konnten die Leichtathleten des Turnerbunds Löffingen wie auch andere Sportvereine in Baden-Württemberg endlich in die Freiluftsaison auf den Sportplätzen starten. Mit vielen Einschränkungen und Regeln, die alle Beteiligten vor dem Virus schützen sollen. Erstaunlich, wie diszipliniert sich die Kinder bei allem Bewegungsdrang in Löffingen verhalten. Kein einziges Mal müssen die drei Trainerinnen und Trainer die Zehn- bis Zwölfjährigen an den Mindestabstand von eineinhalb Metern erinnern oder gar einschreiten. Wobei die Kleingruppen den Überblick erleichtern, auch wenn der Übungsleiter gerade eine umgestoßene Minihürde wieder aufstellt oder für die nächste Runde der ausgezeichneten Übung für Rhythmusschulung und Koordination die Abstände zwischen diesen Trainingshilfen vergrößert.

Die 25 Kinder dieser Altersgruppe, die beim TBL üblicherweise zusammen trainieren, sind nun in zwei Gruppen aufgeteilt – fünf Jungs und 20 Mädchen. Die Jungen haben ihre Einheit schon hinter sich und sind auf dem Heimweg. Zwischen ihrem Trainingsende und dem Start der zweiten Gruppe liegen 15 Minuten. So wird verhindert, dass im Stadion, speziell im engen Eingangsbereich, zu viele Sportler aufeinandertreffen.

Dies ist nur eine der vielen Vorgaben aus dem "Schutzkonzept Leichtathletik", die die Vereine umsetzen müssen. Die Maßnahmen, die auch die "zehn Leitplanken" des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) vorschreiben, verlangen den Verantwortlichen wie Trainern viel zusätzliche Planung und Kommunikation ab. Bei den Löffinger Leichtathleten erfolgt die oft über WhatsApp, erzählt Ottmar Heiler. Der Abteilungsleiter spricht mit seinen Trainerkollegen die Inhalte der nächsten Übungseinheit ab und auch die jungen Sportler nutzen diesen Dienst: "Wer nicht kommen kann, meldet sich ab." So haben die Trainer rechtzeitig einen Überblick, wie viele von ihnen gebraucht werden. Denn die neue Formel heißt "vier plus eins" – vier Sportler und ein Trainer bilden eine maximal fünfköpfige Kleingruppe.

An diesem Abend sind zehn Mädchen zum Training in Löffingen gekommen. Sie teilen sich in zwei Dreier- und eine Vierergruppe auf. Rosi Burger und das Ehepaar Kerstin Straetker-Vogt und Rudi Straetker, beide Sportlehrer, wechseln mit ihrer jeweiligen Gruppe von Station zu Station. Nach dem Aufwärmen – ebenfalls getrennt – bleibt für jede der drei Stationen eine weitere Viertelstunde. Denn das Training wurde von ehemals eineinhalb Stunden auf eine Stunde verkürzt. Durch die Teilung der Gruppe leisten alle Trainer freiwillig "Doppelschichten", ohne mehr Geld zu verlangen, erzählt Heiler. Dafür sei der Verein sehr dankbar, gerade weil durch den Ausfall von Wettkämpfen und Festen wichtige Einnahmen fehlen.

Um solche Dinge müssen sich die jungen Athleten keine Gedanken machen. Allerdings werden auch sie nicht nur körperlich gefordert. "Wofür machen wir das?", fragt Rosi Burger ihre Gruppe, während die Mädchen durch am Boden liegende alte Fahrradreifen springen. "Für die Beine", so die mehrstimmige Antwort. Und wozu ist die Übung gut, bohrt die Trainerin nach. Für den Weitsprung und fürs Laufen, bekommt sie zu hören. Richtig, und auch fürs Werfen ist es gut, Kraft in den Beinen zu haben, ergänzt die Trainerin.

Das Werfen ist bei sehr vielen Mädchen nicht gerade beliebt, verrät ihre Kollegin Kerstin Straetker-Vogt 100 Meter weiter. Da sollen die "Heuler" den Spaßfaktor erhöhen. Was aus der Ferne an Indiaca erinnert, entpuppt sich als eine Art Kunststofffisch mit Schwanzflosse, der beim Werfen ein heulendes Geräusch erzeugt – na ja, nicht immer, wie der Vorführeffekt beweist. Ob Heuler oder herkömmlicher Ball, alle benutzten Wurfgeräte müssen vor dem Wechsel an die nächste Station desinfiziert werden. Auch wenn das Mittel "stinkt", wie die Trainerin lachend zugibt. Die Meinungen zum neuen Training sind gemischt von "gut" über "na ja, zusammen fand ich’s besser" bis zu Rosi Burgers Eingeständnis, für die Trainer sei die Kleingruppe "manchmal angenehmer". Doch alle sind sie froh, dass sie nach vielen Wochen wieder im Verein trainieren und sich sehen können.

Auch wenn "das Gemeinschaftsgefühl im Spiel fehlt", wie Straetker-Vogt sagt, weil die Hygieneregeln die gewohnten Ballspiele nicht zulassen, ebenso wie Staffeltraining. Dass die Wettkämpfe fehlen, merke man dem Trainingseifer der Kinder nicht an. "Die sind einfach froh, dass sie sich wieder bewegen können", sagt Rudi Straetker. Das bestätigt die elfjährige Ronja: Seit sie wieder ins Training gehe, "kann ich wieder besser einschlafen". Und Kerstin Straetker-Vogt weiß aus eigener Erfahrung: "Die Eltern sind auch alle froh".