Ein "unspektakuläres Jahr"

Leonie von Hase hatte als "Miss Germany" wegen Corona nur wenige Auftritte

dpa

Von dpa

Fr, 26. Februar 2021 um 20:35 Uhr

Panorama

Vor einem Jahr wurde Leonie von Hase zur "Miss Germany" gewählt. Aber seither war sie vor allem in sozialen Medien präsent. Wegen Corona blieben Präsenzauftritte eine Seltenheit für Leonie von Hase.

Im Februar 2020 wurde sie gewählt, im März kam der erste Corona-Lockdown: Leonie von Hase hat als "Miss Germany" ein ungewöhnliches Jahr erwischt. Da gab es kaum öffentliche Auftritte mit Schärpe und Applaus, die zumindest früher zwingend zum Job dazugehörten. Doch von Hase scheint damit nicht allzu sehr zu hadern. "Es war im Großen und Ganzen ein recht unspektakuläres Jahr", sagt die 36-Jährige kurz vor dem Ende ihrer Amtszeit. Aber da sie keine genaue Vorstellung von ihrem Leben als Miss gehabt habe, habe es auch "keine riesengroße Enttäuschung" gegeben.

An diesem Samstag muss von Hase ihren Titel abgeben, denn dann wird in Rust eine neue "Miss Germany" gewählt – live bei Youtube und zum zweiten Mal mit einem rundum erneuerten Konzept. Es soll wie schon 2020 nicht mehr vorrangig ums Aussehen der Kandidatinnen gehen, sondern um deren Botschaft und um die Fähigkeit, andere zu inspirieren und zu motivieren.

Hat das bei der Premiere geklappt – in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverboten? Von Hase, die in Namibia geboren wurde und heute ein Kleidungsgeschäft führt, findet: ja. Zwar sei sie "massiv ausgebremst" worden vom ersten Lockdown. Doch mit ihrer Botschaft, dass das Alter nur eine Zahl sei und Frauen sich immer neu erfinden könnten, sei sie trotzdem zu den Leuten durchgedrungen. Über die sozialen Medien habe sie direkt mit den Menschen in ihren Wohnzimmern kommunizieren können – ohne "Miss Germany"-Schärpe, die sie als Barriere empfunden hätte. "Ich glaube, auf Bühnen hätte ich mich nicht so wohlgefühlt", sagt sie. Bei Instagram hat von Hase mehr als 14 000 Follower. Klar gehe es als "Miss Germany" immer noch auch darum, Sponsoren zu repräsentieren. Aber der Wettbewerb habe sich doch gewandelt: hin zu einer Plattform für Frauen, die es womöglich nicht in die Öffentlichkeit geschafft hätten. Sonst hätte sie sich auch gar nicht erst beworben, sagt von Hase.

Mit dem neuen Konzept reagierten die "Miss Germany"-Veranstalter auf die Kritik, der seit 1927 ausgetragene Wettbewerb sei nicht mehr zeitgemäß und stehe für ein antiquiertes Frauenbild. "Für uns ist heute die Ausstrahlung ausschlaggebend", sagt Max Klemmer, der seit 2017 gemeinsam mit seinem Vater die "Miss Germany"-Geschäfte führt. Heute gibt es keine Knigge-Trainings mehr. Die Frauen müssen nicht mehr vor einer männlich dominierten Jury schaulaufen – und auch Mütter dürfen teilnehmen.

Insgesamt scheint man auf ein möglichst diverses Teilnehmerinnenfeld Wert zu legen. In die Endauswahl geschafft haben es in diesem Jahr eine alleinerziehende Mutter, eine Doktorandin mit künstlichem Darmausgang, eine Zeugen-Jehovas-Aussteigerin und ein Opfer von sexueller Gewalt. Eine Teilnehmerin, die "Miss Hamburg", setzt sich gegen die Diskriminierung dicker Menschen ein.