Leserbriefe

Annette Brox (Freiburg-Vauban)

Von Annette Brox (Freiburg-Vauban)

Mi, 02. Dezember 2020

Leserbriefe Freiburg

SULZBURGER STRASSE
Entscheidung über Privatisierung aussetzen
Zum Bericht "Sanieren, dann privatisieren – Empörung in Weingarten, dass Stadtbau ohne Info Umwandlung in Eigentumswohnungen beschloss" (BZ vom 24. November).

Ausgerechnet "Sozialer Zusammenhalt" heißt das Förderprogramm, mit dem 120 bezahlbare Mietwohnungen der Freiburger Stadtbau in Eigentum umgewandelt werden. 120 Wohnungen weniger für Menschen, die dringend auf preisgünstige Mietwohnungen angewiesen sind. Die Meldung zwei Tage zuvor, dass die Miete in Freiburg laut neuem Mietspiegel in den letzten vier Jahren um knapp 19 Prozent gestiegen sind, passt da wie die Faust aufs Auge. Und was hat man sich unter einem Programm "Sozialer Zusammenhalt" vorzustellen, wenn unter diesem schönen Namen eine solch weitreichende Maßnahme von öffentlichem Interesse nichtöffentlich verhandelt und beschlossen wird, ohne vorher die Mieterinnen und Mieter, den Stadtteil, interessierte Bürgerinnen und Bürger zu informieren, geschweige denn zu beteiligen? Bleibt zu hoffen, dass der Bürgerverein und das Forum Weingarten die Aufsichtsrätinnen und Aufsichtsräte mit ihrer Forderung überzeugen können, die Entscheidung über die Privatisierung auszusetzen, bis sie im Sanierungsbeirat und mit den Mieterinnen und Mietern diskutiert wurde. Sonst wären die vielen Papiere und Erklärungen zur Bürgerbeteiligung für die Tonne geschrieben worden.
Annette Brox, Freiburg-Vauban

LANGMATTENWÄLDCHEN
Aufforstungen können das nicht wettmachen
Zum BZ-Bericht "Votum für den Erhalt der Bäume – 1300 ’Bürgerappelle’ zugunsten des Langmattenwäldchens" (BZ, 25. November).

Das Totschlagargument gegen den Wald ist das Geld: Es würden sich entsprechend weniger Grundstücke vermarkten lassen, zumal die Finanzierung des Stadtteils sowieso äußerst schwierig sei; damit wäre auch die geplante Menge an "gefördertem Mietwohnungsbau" gefährdet. Stattdessen gibt es aber genug Möglichkeiten, innerhalb des Rahmenplans Verschiebungen so vorzunehmen, dass für alles genug Platz bleibt. Wenn dann tatsächlich die Bebauung punktuell etwas von den geplanten Grünachsen wegnehmen würde, ist das immer noch besser und ökologischer, als gesunden, klimaausgleichenden Wald wegzusäbeln. Den Stadtplanern fehlte bisher das Bewusstsein für die so wichtigen Funktionen eines intakten Waldes und dafür, dass auch Waldboden enorm viel CO2 speichert; die Ausgleichsmaßnahmen und Wiederaufforstungen können das eben nicht wettmachen, weil diese auf bereits vorhandenen Freiflächen (= Speicher-Böden) stattfinden – ganz zu schweigen von dem heutigen Umstand, dass Neupflanzungen eher ein Opfer der Klimaerwärmung werden als ein Mittel gegen sie.
Tjark Voigts, Freiburg-Rieselfeld