Oberlinden-Linde

Rettung eines einmaligen Kultur- und Naturdenkmals

Dr. Hansjochen Schröter

Von Dr. Hansjochen Schröter (Kirchzarten)

Mo, 01. Juli 2019

Leserbriefe Freiburg

Zum Bericht "Die Linde darf erstmal stehenbleiben" (BZ vom 17. Juni), in dem erläutert wurde, dass die als todkrank geltende Linde in Oberlinden beim Schwabentor sich – auch aufgrund der intensiven Pflege durch Mitglieder des Lokalvereins Innenstadt – so gut erholt hat, dass sie wieder als standsicher eingeschätzt wird. Sie bleibt nun vorerst stehen.

Ein Kompliment den Baumrettern: Totgeglaubte leben länger!

Mitglieder des Bürgervereins Innenstadt haben dank ihres beharrlichen Engagements dazu beigetragen, dass das nahezu 300 Jahre alte Wahrzeichen von Oberlinden sichtbar wiederbelebt und damit vor dem voreiligen behördlich angeordneten Garaus bewahrt wurde.

Sie haben die noch vorhandene Vitalität der zerzausten Linde richtig eingeschätzt, weil ihnen offensichtlich bekannt war, dass in vielen Ortschaften in Deutschland glücklicherweise noch gleich alte oder noch viel ältere Dorf-, Friedens- und Gerichtslinden stehen. Die meisten sind ebenfalls innen hohl, dadurch aber ökologisch wertvoll, weil sie ein Habitat für tierische Untermieter bieten.

Allen diesen Linden ist gemein, dass sie sehr robust sind und viele Klimaschwankungen, Witterungsextreme sowie Attacken von Schadinsekten und -pilzen überstehen mussten, von einigen Kriegen und Abgaswolken ganz zu schweigen. Gibt es bei uns eine geeignetere einheimische Baumart für Innenstädte?

Die Oberlinden-Linde kann bei guter Betreuung und Pflege wahrscheinlich noch viele Jahre weiterleben – und ihr 300. Pflanz-Jubiläum 2029 deutlich überschreiten, wenn nicht amtlich bestellte Baum-Experten doch noch vor ihrem natürlichen Ableben die Fällung anordnen.

Die jüngst komplett gefällte Robinien-Allee entlang der Bertoldstraße sollte ein Warnzeichen sein. Diese innerstädtische Bienenweide bestand auch nicht nur aus unrettbar kranken Bäumen. Ersetzt wurden sie nicht durch robuste Linden, die wieder eine Bienenweide geboten hätten. Dies angesichts von landesweiten Bienenrettungs-Initiativen.

Zum Glück haben die Akteure des Bürgervereins augenfällig bewiesen, dass es in Freiburg Menschen mit historischem und ökologischem Verantwortungsbewusstsein, verbunden mit Zivilcourage gibt.

Für die Rettung eines nicht spektakulären, aber einmaligen Kultur- und Naturdenkmals, gebührt ihnen Dank und Anerkennung, auch von Nicht-Freiburgern.

Dr. Hansjochen Schröter, Kirchzarten