So viele und noch viel mehr ungelöste und vielleicht auch nicht lösbare Fragen

Christoph Hafner

Von Christoph Hafner (Freiburg)

Di, 19. Februar 2019

Leserbriefe Freiburg

Zu: "Dietenbach live und vor Ort", Bericht über eine BZ-Hautnah-Veranstaltung auf dem Dietenbach-Gelände (BZ vom 28. Januar):
Niemand wird ernsthaft in Frage stellen, dass in Freiburg bezahlbarer Wohnraum schon immer und derzeit besonders dringend benötig wird. Die Planungen und die Erläuterungen bei der BZ-Hautnah Veranstaltung vor Ort durch das K 9 Architektenteam sind sehr beeindruckend, aber vor dem Hintergrund der vielen offenen Fragen leider nicht überzeugend.

Der bei der Begehung zu beobachtende pflügende Landwirt und die aufgebrochene fruchtbare Ackerkrume müssen uns doch nachdenklich stimmen. Darf es sich unsere Gesellschaft vor dem Hintergrund von Klimawandel und internationalen Handelskonflikten leisten, diese große landwirtschaftliche Fläche im Überschwemmungsgebiet der Dietenbachaue zu besiedeln? Oder müssen wir nicht ganz neue, zukunftsfähige und intelligentere Lösungen suchen und finden?

So viele Fragen sind ungeklärt: Wird die 50-Prozent-Quote für geförderten Wohnungsbau realisierbar sein? Im Rieselfeld wurde diese angestrebt und man ist leider deutlich darunter gelandet. Die Mietpreise sind hier heute auf dem zweithöchsten Rang des Freiburger Mietspiegels angelangt.

Die Stadtbau soll es richten: Eine Stadtbau, die es gar nicht mehr gäbe, wenn deren Verkauf im Jahr 2006 nicht durch einen Bürgerentscheid mit einer Mehrheit von 70,5 Prozent gestoppt worden wäre.

Es ist mehr als löblich, einen energieneutralen, ökologisch verträglichen Stadtteil bauen zu wollen. Dies wird aber zum Standardpreis nicht möglich sein. In Vauban mit seinen Vorgaben für zum Beispiel Passivhausbauweise wurde dies bereits deutlich.

Über die Anbindung des öffentlichen Nahverkehrs wurde schon viel diskutiert. Für 15 000 neue Mitbewohner wird eine Kapazitätserweiterung von 150 Prozent der im Rieselfeld bereits überfüllten Bahnen benötigt. Die anzustrebende Steigerung der Nutzung des ÖPNV ist dabei noch gar nicht eingerechnet.

Eine Taktverkürzung der Bahnen auf sechs Minuten und der Einsatz längerer Züge bringen eine Mehrkapazität, aber bei weitem keine 150 Prozent. Selbst ein zu begrüßender Ringschluss über die Paduaallee wird den neuen Bedarf nicht decken können.

Und was passiert, wenn in 30 Jahren Dietenbach vollständig bebaut und bezogen ist und wir noch mehr Wohnraum benötigen? Darauf wusste auch der Stadtplaner keine Antwort. So viele und noch viel mehr ungelöste und vielleicht auch nicht lösbare Fragen.

Und darüber dürfen wir am 24. Februar entscheiden. Wahrlich nicht einfach. Oder doch?

Christoph Hafner, Freiburg