Leserbriefe

Peter Epp

Von Peter Epp (Emmendingen)

Do, 08. April 2021

Emmendingen

NEUER REWE-MARKT
Wohnen über dem Discounter
Zum Bericht "In den Emmendinger Lebensmitteleinzelhandel kommt Bewegung" (BZ vom 18. März):

In dem Artikel wird berichtet, dass ein neuer Rewe-Markt in Kollmarsreute gebaut werden soll, dass Lidl an der Kollmarsreuter-Straße größer bauen will und dass im Bürkle-Bleiche-Center ein Vollsortimenter bald realisiert werden soll. Über das Wohnen an anderer Stelle wird in dieser Artikel auch berichtet; nur nicht in Zusammenhang mit den Bauabsichten dieser Lebensmittelhändler. Die Überbauung der Verkaufsflächen und der Parkflächen würde ein erhebliches Potential für die Schaffung von hunderten von Wohnungen darstellen.

Diese Idee ist nicht neu. Mit dem Titel "Wohnen über dem Discounter" wird bereits in der BZ vom 7. April 2018 berichtet, dass die großen Discounter und Vollsortimenter, darunter auch Rewe und Lidl, in größeren Städten ihre bestehenden Filialen abreißen und die Neubauten mit Wohnungen kombinieren ("mehrgeschossige Handelsimmobilien"). Dabei wurden zum Teil auch Sozialwohnungen geschaffen. Im Freiburger Wochenbericht wird bereits 2017 unter dem Titel "Wohnen über Parkplätzen?" berichtet, dass beispielsweise der Discounter Aldi in der Breisacher Straße seinen bestehenden Markt abreißen, und die Fläche samt Parkplatz mit Wohnungen überbauen wolle. Inzwischen ist dieses Vorhaben umgesetzt.

In München wurde bereits 2016 der öffentliche Parkplatz am Dantebad mit 100 Wohnungen überbaut (BZ 9. April 2019). Ähnliche Projekte wurden auch in Zürich umgesetzt. Dies zeigt auf, dass auch ebenerdige Parkflächen überbaut werden können. Es müssen also nicht zwingend teure "Tiefgaragen" gebaut werden.

Auch in Emmendingen gibt es bereits ähnliche Vorhaben, die in Planung sind. Beim Umbau des alten Kaufhauses Krauss (Löwentor) sollen über zwei Verkaufsgeschossen auch auf zwei Geschossen Wohnungen entstehen. Über dem geplanten Neubau des Edeka-Marktes im Bürkle-Bleiche-Centrum sollen drei Geschosse mit Wohnungen entstehen.

Auf dem Lidl-Areal könnten wegen der Nähe zur Bahn Lärmschutzprobleme gesehen werden. Dem kann man von vorn herein entgegenhalten, dass es in der Rheinstraße ein Referenzobjekt gibt, das aufzeigt, dass unmittelbar an der Bahn Wohnungen gebaut werden können. Im Übrigen kann man mit einer intelligenten Architektur innerhalb einer Wohnanlage Bereiche der "Ruhe" schaffen.

Die Neubauabsichten von Lidl und Rewe stellen eine einmalige Chance dar, die Verkaufs- und Parkflächen zu überbauen und damit hunderte von preiswerteren Wohnungen zu schaffen. Vielen Wohnungsuchenden wäre damit geholfen. Die Umsetzung solcher Vorhaben stellen für Lidl und Rewe kein Neuland dar. Peter Epp, Emmendingen
TENNENBACH
Die Kapelle als Bierhalle
Zum Bericht "Chinesen kaufen die Kapelle" (BZ vom 1. April) und "Kapelle bleibt, Diskussion auch" (BZ vom 3. April):
Der Bericht über den Verkauf der Tennenbacher Kapelle nach China ist voller Fehler. So ist´s richtig: Durch die vielen Berichte der Badischen Zeitung über die Kapelle war das Konfuzius-Institut Freiburg auf das Objekt aufmerksam geworden und vermittelte den Deal mit der ehemals deutschen Kolonialstadt Kiautschou, heute Qingdao, wo im Jahre 1903 die erste deutsche Bierbrauerei in China erbaut worden war.

Die Stadt Qingdao möchte die gut gepflegte deutsche Kolonialarchitektur ergänzen um ein originales, vorkoloniales, historisches deutsches Gebäude. Mit der Tennenbacher Kapelle schien ein geeignetes Gebäude für das Konfuzius-Memorial in Qingdao gefunden worden zu sein. Doch nun hat die wirtschaftsliberale Fraktion im Qingdaoer Gemeinderat durchgesetzt, dass – um den Tourismus in der Stadt zu fördern – die Tennenbacher Kapelle als "Tsingtao-Bierhalle" genutzt werden soll (zum Oktoberfest auch mit Gastspielen bayrischer Musikkapellen).

Darauf hat der eigentlich für den historisch informierten Wiederaufbau der Kapelle in Qingdao verpflichtete Emmendinger Senior Expert empört seine Mitarbeit gekündigt und kämpft nun um den Verbleib der Kapelle im Tennenbacher Tal. Offenbar mit Erfolg: der China Shipping – Transporter ist weg und die Kapelle noch da. Und beim Verein der ehemaligen Vereinsvorstände wurde die Vertragsunterzeichnung in letzter Minute gecancelt. Jürgen Lieb, Emmendingen

Kapelle ist nur ein Vorwand
Die Kapelle ist nur ein Vorwand für ein paar alte Herren, um sich wichtig zu machen, denn es gibt einige Dinge die hier richtiggestellt werden müssen. Die Kapelle steht der neuen Straße (die auf der alten Trasse) gebaut werden soll gar nicht im Weg. Es soll hier auch keine "Schnellstraße" entstehen, sondern es handelt sich lediglich um den Ausbau einer seit vielen Jahren maroden Straße, wo es jedes Mal ein sehr riskantes Manöver ist, bei Gegenverkehr auszuweichen. Da auch der Randstreifen der Straße immer wieder nur notdürftig repariert wird, gleicht es schon fast an ein Wunder, dass es an dieser eigentlich nicht mehr verkehrstüchtigen Straße nicht zu mehr Unfällen kommt.

Dass es nach dem Bau der neuen Straße bei der Kapelle zu mehr Schäden kommt, mag ich bezweifeln, da der Verkehr ja heute schon hier durchführt und es bei einer im Unterbau verbesserten Straße eher zu weniger Störungen kommt, als bei der unebenen vorhandenen Straße.

Man kann es eigentlich nicht nachvollziehen, dass es nur wenige Leute sind, die seit mehr als 15 Jahren ohne nachvollziehbaren Grund immer wieder den Ausbau der mit Abstand schlechtesten Straße im Kreis Emmendingen zu verhindern wissen. Peter Bühler, Freiamt
RÜCKKAUF WYHLER WALD
Menschen sollten wachsam bleiben
Zu "Erinnerungen im Wyhler Wald" von Ruth Seitz-Wendel (BZ vom 31. März):

Zum Rückkauf des Waldes um das früher geplante und von den Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen und vielen anderen verhinderten Atomkraftwerk Wyhl durch die Gemeinde Wyhl von der EnBW: endlich und danke!

Aber: in Fessenheim am Rhein droht ein "neues Atomenergie-Monster": die von der EDF geplante Atomenergie-Strahlen-Schrottfabrik genannt "Technocentre". In dieser sollen aus radioaktiven Bauteilen von Atomkraftwerken usw. aus Frankreich und anderen Ländern Europas nach Einschmelzen höher radioaktive Reste zum Deponieren und schwach radioaktiver Stahl für Bau- und Gebrauchsgegenstände wie Töpfe, Betten-Teile, Armierungsstahl für Beton, Autos usw. hergestellt werden. Es wird auch radioaktive Abwässer und radioaktive Abgase geben. Es werden Störfallrisiken bestehen. Und der hochradioaktive Atommüll des Atomkraftwerks Fessenheim wird uns Planungen zufolge noch bis zu seinem vollständigen Abtransport nach La Hague/Normandie bis Ende 2023 bedrohen.

Die Menschen in der Region sollten wachsam bleiben, die Gefährdungen aufzeigen, protestieren, Lebensbedrohendes stoppen, Alternativen verlangen und verwirklichen - Lehren aus Wyhl. Und die Politik bleibt gefordert.
Georg Löser, Gundelfingen