Leserbriefe

Sandra Franke

Von Sandra Franke (Ortenberg)

Mi, 30. Oktober 2019

Seelbach

WALD IM KLIMAWANDEL
Keine riskanten exotischen Experimente
Zu Berichten über das Pflanzen neuer Baumarten im Schuttertal ("In Schuttertal sollen 1000 Bäume gepflanzt werden", BZ vom 22. Oktober, und "Douglasien trotzen dem Klima", BZ vom 23. Oktober)
Aktuell sterben Fichten, weil sie an standortfremden Stellen aus wirtschaftlichen Gründen – meist als Monokultur – gepflanzt wurden. Jetzt soll statt der Fichte die fremdländische Douglasie gepflanzt werden. Laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat die Douglasie Potential zu Invasivität, das heißt Verdrängung heimischer Pflanzen- und Tierarten und damit Veränderung ganzer Ökosysteme. Deren Anbau dient nicht den Zielen des Naturschutzes.

Auch im Hinblick auf den Klimawandel gibt es trockenresistente heimische Baumarten (zum Beispiel Flaum-, Trauben- und Stileiche, Sommerlinde). Dass die heimische Buche leidet, liegt nicht nur am Klimawandel, sondern entscheidend an der intensiven Bewirtschaftung mit starker Auflichtung und hoher Entnahme von Biomasse, mit Rückegassen und bodenverdichtendem Schwermaschineneinsatz.

Studien deuten darauf hin, dass die exotische Douglasie weniger heimischen Arten Nahrungsgrundlage und Lebensraum bietet als vergleichbare heimische Baumarten. Dies gilt für Vögel und seltene heimische Insekten. Einige Schadinsekten haben sich aber bereits angepasst. Die steuergeldfinanzierte Pflanzung von Douglasien ist wohl weniger eine Klimaschutzaktion, als eine Unterstützung der Forst- und Holzindustrie.

Wirklicher Klimaschutz wäre es zum Beispiel, alte Buchenwälder nicht mehr abzuholzen. Auch ist ein natürlich gewachsener Wald widerstandsfähiger als ein gepflanzter. Forschungen zeigten, dass Wälder, die weniger stark genutzt werden, messbar kühler sind und einen besseren Feuchtigkeitsgehalt haben. Vor dem Hintergrund des rasanten Klimawandels sollte man keine riskanten Experimente mit exotischen Bäumen wagen. Sandra Franke, Ortenberg