Leserbriefe

Reinhard und Dorothea Kalisch, Hans Martin Einstein, Karl Heinz Hilberer (Patricia Jahn und Mathias Endlich (alle Offenburg) )

Von Reinhard und Dorothea Kalisch, Hans Martin Einstein, Karl Heinz Hilberer (Patricia Jahn und Mathias Endlich (alle Offenburg) )

Mi, 10. August 2022

Offenburg

BAUPROJEKT IN OFFENBURG
"Völlig inakzeptable Vorgehensweise"
Dass die städtische Pressestelle "missverständlich und unter Zurückhaltung heikler Fakten" informiert, werfen mehrere Anwohner des in der Oststadt geplanten Pflegeheimprojekts "Konradshaus" der Verwaltung vor (BZ vom 7. Juli "Verbesserter Entwurf fürs Pflegeheim am Feuerbach")
In einem alt gewachsenen Wohngebiet, das ohnehin durch das bestehende Senioren-Wohnheim und dessen vielseitigen Servicediensten Verkehrs- und Parktechnisch hoffnungslos überlastet ist, ein weiteres Pflegeheim mit zwei vierstöckigen Gebäuden bauen zu wollen, ist nicht nachvollziehbar und für alle Anwohner absolut unzumutbar. Dass von Seiten der Stadt darüber nur missverständlich informiert wird zeigt, dass sich diese dessen bewusst ist. Für die Anwohner eine völlig inakzeptable Vorgehensweise. In keinem Hinweis wird darauf eingegangen, dass der Großteil des Gebäudekomplexes viergeschossig werden soll. Zitat: "… Der Geschäftsführer der Vinzentiushaus Offenburg GmbH, Dirk Döbele, wertete das Ergebnis wohl städtebaulich als auch funktional als die beste Lösung für die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner …" Nach den Anwohnern fragt allerdings niemand ! Diese wurden in keiner Phase mit einbezogen. Lediglich auf Anfrage bei der Stadt erhielten diese am 29. Juli ein irreführendes Scheiben mit so gut wie nicht erkennbarer Darstellung des Objektes, welches die Betroffenen der Presse weiterleiten. Darin heißt es "... Mit nur zwei Geschossen und einem flach geneigten Satteldach tritt das Gebäude besser in Kommunikation mit der Wohnumgebung."Diese Aussage ist schlichtweg falsch. Der Großteil des Gebäudekomplexes ist viergeschossig geplant.

Hinzu kommt, dass der ausgewählte Siegerentwurf in der Grundfläche und Baumasse wesentlich größer ist als der Erstentwurf vom Dezember 2021. Lediglich der Eingangsbereich ist zweigeschossig geplant. Und wie sich der völlig überdimensionierte Gebäudekomplex mit den beiden viergeschossigen Baukolossen und minimaler Grünfläche in die Wohnumgebung einfügen soll, ist ebenso ein Rätsel, wie die künftige Verkehrs- und Parksituation. Aber auch die gesetzlich vorgeschriebenen Zufahrtsmöglichkeiten für die Feuerwehr dürften nicht gewährleistet sein. Wie wichtig Feuerwehrzufahrten in engbebauten Wohngebieten sind, zeigen aktuell die Großbrände mit mehreren Häusern in Diersburg und Albersbösch.

Schon die bestehende Seniorenwohnanlage, Am Waldbach 12, wurde nach aktueller Recherche nicht nach den Vorschriften des gültigen Bebauungsplanes erstellt. Leider gilt mittlerweile Bestandsschutz, und ein Rückbau kann nicht mehr eingefordert werden. Nochmals werden die Anwohner einen solchen Sachverhalt nicht akzeptieren.

Auch die flächenmäßig dringend erforderliche und geplante Erweiterung des benachbarten Kindergartens ist auf Grund der Dimension der Gebäude nicht mehr realisierbar, ebenso der erforderliche Grenzabstand. Bei der steigenden Kinderzahl, längerem Verbleib und den gesetzlichen Vorgaben ist solch eine Planung unverständlich. Dass der Kindergarten Am Waldbach die bisherigen Räume des Gemeindezentrums mit genutzt hat, zeigt den Bedarf. Was mit dem bestehenden Vinzentiushaus in der Grimmelshausenstraße – mit wesentlich mehr Plätzen, mehr Fläche und mehr Grün – werden soll, bleibt bislang ein Geheimnis der Vinzentiushaus GmbH und der Stadt. Die Region um Waldbach/Feuerbach hat mit dem bestehenden Seniorenwohnheim ihren Beitrag zur Integration älterer Menschen geleistet und sollte nicht durch ein weiteres Heim noch mehr strapaziert werden. Auch im Interesse Demenzkranker und Pflegebedürftiger gibt es sicherlich bessere Standorte.
Reinhard und Dorothea Kalisch, Hans Martin Einstein, Karl Heinz Hilberer, Patricia Jahn und Mathias Endlich (alle Offenburg)



9-EURO-TICKET-ERFAHRUNGEN
"Gelinde gesagt eine Zumutung"
Zum 9-Euro-Ticket und eigenen Erfahrungen am vergangenen Sonntag schreibt ein Leser:

Wenn ich meine Erfahrungen vom Nahverkehrs-Erleben mit der SWEG von Kehl nach Offenburg mit den Aussagen von Herrn Lindner – kein Geld für weitere 9-Euro-Tickets – gegenüberstelle, muss ich entgegen meiner Überzeugung sagen, dass es gut so ist. Es ist gelinde gesagt eine Zumutung, was uns die Transportunternehmen seit Pfingsten bieten. Auch wenn die SWEG sagt, dass es keinen Mangel an Wägen gebe, war es am vergangenen Sonntag so, dass der um 16.33 Uhr von Straßburg kommende Zug mit zwei Wagenteilen schon überfüllt war. Den rund 40 wartenden Reisenden und den etwa sechs Radnutzern wurde gesagt, man solle sich um alternative Verkehrsmittel kümmern, Radfahrer werden gar nicht mitgenommen. Bei Nachfrage beim Lokführer wurde mir gesagt, ich solle doch Auto fahren.

Das Sahnehäubchen war, dass den Leuten, die sich noch in die schon vollen Wägen reingezwängt haben, eine Durchsage sie sollen bitte Abstand halten, zuteil wurde. Meine Frau und ich kamen dann eine halbe Stunde später erschöpft, aber glücklich mit dem Bus nach Offenburg.

Hätten wir ein Kanu gehabt, hätten wir ja auch mit besagten alternativen Verkehrsmittel auf der Kinzig nach Offenburg fahren, oder zwei Pferde ausleihen oder einen fliegenden Teppich – rent-a-carpet-ride – mieten können. Eigentlich eine gute Geschäftsidee in diesen Zeiten. Oder noch besser in alter Raumschiff-Enterprise-Manie dematerialisierien: "Scotty – beamen sie uns weg!"
Klaus Wörner, Offenburg