Leserbriefe

Joachim Roppel

Von Joachim Roppel (Waldkirch)

Fr, 04. September 2020

Leserbriefe Breisgau

BORKENKÄFER
"Schon länger auf der Welt als der Mensch"
Zu "Borkenkäfer bleibt eine Bedrohung" in der BZ-Ausgabe vom 2. September:
Es ist immer leicht, vom eigenen Unvermögen abzulenken, indem man einen Schuldigen zu Unrecht benennt – die gewählte Sprache lässt aufhorchen "durch gezielte Eingriffe sei es gelungen, den Borkenkäfer in Schach zu halten" (Forstbezirksleiter Hans-Ulrich Hayn). Zur Klärung des Sachverhaltes: Der Borkenkäfer (gemeint ist offensichtlich der Borkenkäfer, welcher auf die Fichte spezialisiert ist) ist schon länger auf der Welt als der Mensch und befällt grundsätzlich nur Fichten, welche durch Sturmbeschädigung oder mangelnde Wasserzufuhr dem Austrocknen ausgeliefert sind.

Der moderne Mensch glaubt allerdings, den Wald als Intensivanbaufläche wirtschaftlich ausbeuten zu können, unter anderem durch massenhafte Bepflanzung mit Fichte bis in niedere Lagen. Man nimmt die entstehenden Umweltschäden durch massenhafte Verbrennung von fossilem Kohlenstoff in Kauf (Klimaveränderung durch CO2-Erhöhung verbunden mit Versteppung und Überversorgung mit Nitrateinträgen in den Boden) und schiebt die Schuld beim Ausbleiben eines wirtschaftlichen Erfolges auf Insekten, die man in der industrialisierten Landwirtschaft vorsorglich mit Umweltgiften ausmerzt. Interessant ist dann doch das Fazit des Forstamtsleiters des Hochschwarzwaldes, der eine Naturverjüngung auf Freiflächen und den dort entstehenden Mischwald begrüßt. Man kann der gesamten Forstwirtschaft nur viele derartig einsichtige Amtsleiter wünschen!Joachim Roppel, Waldkirch
MUSEUMSSERIE

"Passend wäre der Barmherzige Samariter"
Zu "Ein leidender Christus samt Marterwerkzeugen" in der BZ-Ausgabe vom 1. September:
Vielen Dank für Ihren interessanten Beitrag! Ich bin in NRW aufgewachsen und kannte daher diese im Südwesten allgegenwärtige Zurschaustellung der Römischen Folter nicht, die mir – nach über 30 Jahren im Freiburger Raum – jedes Mal noch immer sehr befremdlich erscheint.

Denn: Die Kernaussage der Lehre Cristi ist eben nicht "Hängt alle auf, die sich Euch nicht unterwerfen!", sondern "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!". Das passende Bildnis dazu wäre eine Darstellung des "Barmherzigen Samariters". Wieso hängt man die nicht als Ansporn an Häuser und Wegkreuze? Vielleicht hätten all die selbst ernannten Christen, die seit Jahrhunderten und zum Teil bis heute (!) noch andere Menschen und Völker gnadenlos ausbeuten, unterdrücken, und – wenn’s gerade passt – auch gerne mal mit Bomben und Raketen beschenken, mit diesem Leitbild vor Augen in der Welt weniger Unheil angerichtet.
Klaus Freudenberg, Kirchzarten