Leserbriefe

Markus Thoma, St. Blasien-Albtal

Von Markus Thoma & St. Blasien-Albtal

Mi, 30. September 2020

Leserbriefe Hochschwarzwald

BAUPLÄTZE VERSTEIGERT
Die Stadt als Preistreiberin
zu "15 Plätze auf einen Schlag", BZ vom 18. September, Seite 17, und "Premiere in Titisee-Neustadt – Begehrte Bauplätze nur gegen Höchstgebot", BZ-online vom 17. September.
Der Satz "Geld regiert die Welt" gilt offenbar in der Verwaltung von Titisee-Neustadt. In einem verdeckten Bieterverfahren stadteigene Grundstücke zu versteigern ist ein Novum, ob dies eine positive Neuerung ist, bezweifle ich jedoch.

Das Ziel eines solchen Verfahrens ist die Gewinnmaximierung der Stadt. Das Geld kommt zwar der Stadt und deren Einwohnern zu Gute, aber durch die Kaufpreismaximierung von knappem Bauland werden die Immobilienpreise weiter steigen. In diesem Fall sind nicht Makler oder Spekulanten die Preistreiber, sondern die Stadt selbst.

Mit sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit hat dieses Verfahren wenig zu tun, wenn einzig das Höchstgebot über den Zuschlag entscheidet. Dadurch vernachlässigt die Stadt die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel zur Auswahl von Bauwilligen. Aspekte wie Kinder oder pflegebedürftige Personen im Haushalt, ehrenamtliche Tätigkeiten oder Bezug zur Stadt werden komplett außer Acht gelassen. Auch Werkzeuge wie Erbpacht, Sperrfristen für Wiederverkäufe oder Mehrertragsklauseln sind möglich, um von Stadtseite die Steigerung der Immobilienpreise lokal etwas zu verlangsamen.

Es bleibt abzuwarten, ob angesichts der durch Corona sinkenden Einnahmen der Städte und Gemeinde diesem Beispiel gefolgt wird. Dadurch wird jedoch der Traum vom eigenen Haus mit Garten für viele Familien unbezahlbarer.

Ich drücke den antragstellenden Familien die Daumen, dass das Bauamt den Worten der Bürgermeisterin Taten folgen lässt und alle Baugenehmigung im Schnellverfahren vor dem 1. März 2021 erteilt. Die Frist für das Baukindergeld ist um drei Monate verlängert worden. Der Antrag zur Auszahlung des Baukindergeldes kann erst beantragt werden, wenn das neue Heim bezogen wurde. Dies kann bei neu zu bauenden Häusern durchaus zwölf bis 18 Monate nach Erteilung der Baugenehmigung dauern. Bis dahin könnten die Fördertöpfe leer sein.

Johannes Müller, Denzlingen

Gut für die mit dicken Geldbeuteln
Wie schön, wenn eine Kommune gemeindeeigene Grundstücke für ein neues Baugebiet hat. Was für tolle Möglichkeiten bieten sich ihr damit. Sie kann die Grundstücke preisgünstig an Familien vergeben. Oder für sozial schwache Bevölkerungsschichten. Oder für Ortsansässige. Ein gutes Stück sozialer Wohnungsbaupolitik, was auch gut für die Bevölkerungsstruktur ist und eine gute Zukunftsperspektive. Gerade in Zeiten, wo Grundstücks- und Immobilienpreise geradezu explodieren sowie Mieten für Gering-- aber auch Normalverdiener kaum noch zu stemmen sind. Und was macht da die Stadt Titisee-Neustadt. Statt an soziale und familienfreundliche Aspekte zu denken, versteigert sie die Grundstücke in einer öffentlichen Sitzung. An den Meistbietenden. Und freut sich noch über ein "sehr gutes Ergebnis". Fragt sich nur, für wen das ein gutes Ergebnis ist. Sicher für die mit dem dicken Geldbeutel. Ganz nach dem Motto: Geld regiert die Welt, Rolf Seifert, Au WASSERKRAFT Kläglicher Rest dümpelt im Bach Zu den Berichten über Wasserkraft in der Schattenmühle und Schwarzsäge. "Behörde will Wasserrecht kassieren", BZ von 16. September.
Nach dem Motto "Die kleinen hängt man und die Großen lässt man Laufen" möchte ich anmerken: Die Staumauer im Albtal bei St. Blasien lässt gerade 100 Sekundenliter als Restwassermenge im Flussbett zurück. Mit dem Großteil des Wassers, das in die Schwarzabruck abgeleitet wird, macht die Schluchseewerke AG an mehreren Stauwerken Strom. Der klägliche Rest von Wasser dümpelt dann die Alb entlang, wo dann noch die Gruppenwasserversorgung Höchenschwand mit drei Tiefbrunnen einen nicht geringen Teil von Gemeinden und Städten versorgt wird, die im Landkreis Waldshut über ihre Verhältnisse gebaut haben, oder ihre Quellen vernachlässigt oder verschmutzt haben oder ließen (Überdüngung).

An beiden Albtalhalden stirbt der Wald großflächig, die Wiesen werden immer unebener, trotzdem immer ein weiter so mit Wissen des Wasserwirtschaftsamtes Waldshut-Tiengen. Man verbietet Kleinkraftwerke wo das Wasser im Bach oder Fluss bleibt, bei Großprojekten ist man taub und blind.

Wo ist hier die Reaktion der Naturschutzbehörde?