Leserbriefe

Frank van Veen (Bad Säckingen)

Von Frank van Veen (Bad Säckingen)

Mi, 25. Mai 2022

Bad Säckingen

KINDER-UNI OHNE HÖRSAAL

Selbstüberschätzung der Gloria-Betreiber
Zum Beitrag "Kinder-Uni steht ohne Hörsaal da" (BZ vom 20. Mai).
Die Betreiber des Gloria haben die Zusammenarbeit mit der grenzüberschreitenden Initiative "Kinder-Uni" beendet und stellen die Räume im Gloria nicht mehr für deren Vorlesungen zur Verfügung. Zur Begründung führt Jochen Frank Schmidt aus, man wolle sich nicht mehr von der Stadt "ausnutzen lassen" und werde "im Stich gelassen". Es lohnt sich, sich mit den Tatsachen zu beschäftigen, bevor man sich ein Urteil bildet:

Zwischen der Stadt und den Betreibern des Gloria wurde unter der Ägide des Bürgermeisters Weißbrodt – rückwirkend – ein Mietvertrag über das im Eigentum der Stadt stehende Gloria-Gebäude geschlossen. Das "Mietverhältnis" begann am 1.1.2011 und sollte am 31.12.2025, also nach 15 Jahren enden. Allerdings wurde den "Mietern" ein Rechtsanspruch auf eine zweimal fünfjährige Verlängerung eingeräumt. Damit endet das "Mietverhältnis" am 31.12.2035. Eine Gegenleistung der "Mieter" wurde nicht vereinbart; das Objekt wurde und wird von der Stadt mietfrei zur Verfügung gestellt. Vereinbart wurde des Weiteren, dass die Stadt das Gebäude und die technischen Anlagen auf eigene Kosten zu unterhalten hatte und hat.

Im selben Vertrag verpflichtete sich die Stadt, den Betreibern des Gloria einen Zuschuss in Höhe von 240 000 Euro in monatlichen Raten bis zum 31. Dezember 2020 zu bezahlen.

Die Stadtwerke Bad Säckingen GmbH haben die Gloria- Betreiber jahrelang mit einem hohen jährlichen Betrag gesponsert. Auch dabei handelte es sich um eine (indirekte) Unterstützung durch die Stadt, da der Gewinn der SWS – vermindert durch das Sponsoring – an die Stadt ausgekehrt wurde.

Als die Gloria-Betreiber für den Kinobetrieb einen digitalen Projektor anschaffen mussten, beantragten sie bei der Stadt einen Zuschuss in Höhe von 15 000 Euro. Obwohl die Behauptung, der Kinobetrieb sei defizitär, nicht belegt war, wurde auch diese Subvention gewährt.

Zusammengefasst: Die Stadt unterstützt die Betreiber des Gloria mit der mietfreien Überlassung eines städtischen Gebäudes für die Dauer von 25 Jahren, unterhält das Gebäude aus Steuermitteln, hat zwei Subventionen geleistet und das Sponsoring durch die SWS toleriert. Da kann man sich schon fragen, wie Schmidt zu dem Ergebnis gelangen kann, die Stadt nutze die Gloria-Betreiber aus.

Zur Gesamtbeurteilung gehört auch, dass der Redakteur des "Sonntag", Daniel Gräber, die Gewinnsituation des Gloria (seinerzeit hervorragend) recherchierte und dass die Gloria-Betreiber im Jahr 2020 den Sponsor wechselten und seitdem Strom aus Schönau beziehen; Strom, mit dem ein städtisches Gebäude betrieben wird.

Die Forderung, die Stadt möge auf ihre eigene Kulturarbeit zu Gunsten des Gloria verzichten, vermag ich nicht zurückhaltend kommentieren. Diese Forderung entspringt einer Hybris, die nicht mehr rational begründet sein kann. Die Stadt hat mit Thomas Ays einen hervorragenden, auch für die Kultur verantwortlichen Mitarbeiter, der nicht auf Ratschläge von Schmidt und Dieterle angewiesen ist.

Abschließend: Es gäbe noch einiges zu sagen. Dass aber die Selbstüberschätzung der Gloria-Betreiber, die gerade über Crowdfunding erhebliche Beträge eingesammelt haben und in Badenweiler aktiv geworden sind, dazu führt, dass nun Kinder geschädigt werden, spricht für sich.Frank van Veen, Bad Säckingen