Leserbriefe

Jessica Ohletz

Von Jessica Ohletz (Freiburg)

Do, 26. März 2020

Breisach

CORONAFÄLLE IM ELSASS
"Europa, Trirhena leben doch"
Zur Berichterstattung über Corona-Fälle im Elsass in der Badischen Zeitung erreichte uns folgende Leserzuschrift:
Ja, es ist traurig, dass Menschen nicht von sich aus vernünftig handeln und gezwungen werden müssen. Im Grunde schön, dass man so lang gehofft hat, aber umso richtiger, dass man nun anordnet und handelt.

Aber fast noch erschütterter war ich, dass Colmar zunächst von Toulon und Marseille geholfen werden musste. Bis jetzt glaubte ich sehr an Europa, fühlte mich als Europäerin. Ich dachte, es wäre egal, auf welcher Seite des Rheins man lebte. Ich dachte, die Trirhena bestünde nicht nur auf dem Hochglanzpapier und in den Köpfen, sondern auch in den Herzen.

Es macht mich unendlich traurig, dass Europa die Grenzen zumacht. Wären gemeinsame, von mir aus eingeschränkte, Ausgangssperren nicht sinnvoller gegen den Virus? Weiß der Virus auch, wo die Grenze verläuft? Wird auch er einen Unterschied zwischen den Nationen machen? Oder sind es nicht die achtsamen, helfenden Menschen und die medizinische Ausstattung, die den Unterschied machen?

Ich hätte mir gewünscht, wir kämpfen Seite an Seite gegen Corona und nicht jeder für sich. In meinem naiven europäischen Gefühl dachte ich zuvor, dass das anders möglich wäre.

Umso glücklicher bin ich, dass Baden-Württemberg und das Saarland nun endlich dem Elsass Hilfe angeboten haben. Europe, Trirhena leben doch!

Ich meine, ein französisches Leben ist gleich viel wert wie ein deutsches – ich meine sogar, die genaue Verortung eines Europäers/einer Europäerin ist egal. Wer ein Leben rettet, rettet die gesamte Menschheit.

Ich danke allen Helferinnen/Helfer und Retterinnen/Retter auf beiden Seiten des Rheins.

Jessica Ohletz, Freiburg