Leserbriefe

Dr. Christoph von Ascheraden (St. Blasien)

Von Dr. Christoph von Ascheraden (St. Blasien)

Sa, 15. Februar 2020

St. Blasien

VERLAGERUNG DER KLINIK
"Schließung der Klinik St. Blasien nach 138 Jahren"
Zum Artikel "Aus der Dom- in die Orgelstadt" in der Badischen Zeitung vom Donnerstag, 13. Februar, erreichte uns folgende Leserzuschrift:
Eine traurige, ja bedrückende Nachricht ereilte uns Mitte der Woche: Die traditionsreiche Klinik St. Blasien, das ehemals auch international anerkannte Lungensanatorium, wird geschlossen, abgewickelt. "Eine hochmodern ausgestattete Akutklinik für Pneumologie und bestens ausgebildete Mitarbeiter in allen Bereichen …" so steht es auf der Website. Wie konnte es dazu kommen?

Patienten mit akuten und chronischen Lungen- und Bronchialkrankheiten gibt es überall. Mit der Schlafmedizin ist ein weiteres wichtiges Indikationsgebiet hinzugekommen. Aber auch für die Patientenversorgung der Region spielt die Klinik eine wichtige Rolle. Strategische Fehlentscheidungen früherer Jahre und ein offensichtlich gescheitertes Investment der letzten Jahre haben zu dieser Katastrophe geführt. Diese Entwicklung zeigt einmal mehr, welche Gefahren einer patientenorientierten Gesundheitsversorgung drohen, wenn die Gesetze der Ökonomie zur Anwendung kommen. Und das gilt beileibe nicht nur für die Klinik St. Blasien. Die eilig zusammengeschusterten "Ersatzüberlegungen" kann man getrost als eine Kombination aus Blendgranaten und Nebelkerzen bezeichnen.

Die Folgen: zahlreiche qualifizierte Arbeitsplätze gehen verloren, verbunden mit Verunsicherung und Leid der Betroffenen und ihrer Familien. Eine wichtige medizinische Versorgungseinrichtung geht für unsere Stadt, aber auch für die ganze Region verloren. Das für unsere Stadt prägende Gebäude der Klinik wird wohl bald leer stehen. Keine guten Aussichten!

Vor einigen Monaten wurden die Klinikgebäude an einen neuen Eigentümer verkauft, der sich – so ist zu hören – als Immobilienvermarkter versteht. Eine internationale Bildungseinrichtung war im Gespräch. Die Stadt wird sich bemühen, zeitnah mit dem neuen Eigentümer ins Gespräch über mögliche Nutzungskonzepte zu kommen. Ausgang ungewiss.

Was bleibt? Zu danken ist allen Mitarbeitern/innen, die über viele, auch schwierige Jahre die gute Versorgung der Patienten geleistet haben; und auch allen Mitarbeitern der Klinik, die in Küche, Keller und auf den Stationen und in der Verwaltung für das Wohl der Patienten gesorgt haben.

Die Klinik St. Blasien, das "Sana", wird immer ein Teil unserer Geschichte bleiben. Wie könnte eine zukünftige Nutzung der historischen Räume aussehen? Medizinische Nutzung, internationale Begegnungsstätte, Bildungseinrichtung, Jugendhotel, Altersresidenzen?

Die Hoffnung gehört zur conditio humana.

Dr. Christoph von Ascheraden, St. Blasien