Leserbriefe

Chris Güthner

Von Chris Güthner (Berlin)

Sa, 08. Februar 2020

Schallstadt

LÄRMAKTIONSPLAN
Weitere Entlastung muss (dringend) folgen
Zum Beitrag "Lärmaktionsplan wird fortgeschrieben" aus dem Gemeinderat Schallstadt vom 24. Januar.
Was nutzen abstrakte Lärmkarten und abstrakt festgelegte (Mittel-)Werte, wenn die Situation für die an der B 3 wohnenden Familien weiter so ist, wie sie ist? Im heißen Hochsommer kann nachts weiter nicht mit geöffnetem Fenster geschlafen werden. Stinkende Abgase, hochgiftiger Reifen- und Bremsenabrieb sowie Feinstaub sind nach wie vor vorhanden und gesundheitsbelastend. Das Fensterputzwasser ist im Handumdrehen pechschwarz und wäre nach chemischer Analyse wohl als hochgiftiger Sondermüll zu werten.

Aus dem Tiefschlaf wird man bei 55 dBA, bei 60 dBA oder auch 70 dBA gerissen, ein durchgehend gesunder Schlaf ist auch bei einer abstrakt niedrigeren dBA-Zahl unmöglich. Es ist zu fragen, ob nachts oder am Wochenende Geschwindigkeitskontrollen stattfinden oder ob da regelmäßig wieder ein Fahrzeug durchbraust. Nachts nur zwei- oder dreimal so ein Fahrzeug und jede erholsame Tiefschlafphase ist Illusion. Da brausen dann mal eine Anzahl Motorräder in Kolonne durch und der Tisch wackelt. Ich habe noch niemanden getroffen, der nach der Einführung von Tempo 30 km/h über die B 3 gefahren ist und danach meinte: Das ist eine schöne Straße für die Anwohner, da würde ich auch gerne wohnen, das Problem hier wurde gelöst. Es mag jeder den Selbsttest machen, wenn er das nächste Mal über die B 3-Ortsdurchfahrt fährt, ob ihm dieser Gedanke kommt. Außerdem bedeutet Tempo 30 häufigeres Schalten und das menschliche Empfinden richtet sich nun mal nicht nach abstrakt festgelegten Grenzwerten, sondern nach der Realität.

Wenn in dem Artikel von der Grünen-Fraktion die Lärmschutzwand in Pfaffenweiler als wirksam bezeichnet wird, zeigt das, dass auch in Schallstadt nur die Umfahrung mit Lärmschutzwänden die dauerhafte, nachhaltige und umfangreiche Entlastung für an der B 3 wohnende Familien sein kann. Einführung von Tempo 30 auf der B 3-Ortsdurchfahrt kann nur ein erster Schritt sein, aber er genügt nicht. Es muss immer wieder gesagt werden: Das die dort wohnenden Familien belastende Problem besteht weiterhin. Es muss niemand mit der Illusion hausieren gehen, es sei an der B 3-Ortsdurchfahrt das Paradies ausgebrochen, das ist es definitiv nicht. Weiterhin muss auf das Ziel einer Umfahrung, einer weiteren Entlastung für die B 3-Anwohner hingearbeitet werden und die jüngsten Schritte in der Gesamt-Verkehrsraumplanung gibt Raum für Hoffnung. Chris Güthner, Berlin