Leserbriefe

Stefan Kech (Ewattingen )

Von Stefan Kech (Ewattingen )

Mo, 02. November 2020

Wutach

SANIERUNG WUTACHHALLE
Mängel sind keine Überraschung Zu unserer Berichterstattung über die Sanierung der Wutachhalle in Ewattingen (BZ vom 10. Oktober) erreichte uns folgende Leserzuschrift:

Nun also doch: Was viele im Vorfeld schon befürchtet hatten, wird traurige Realität. Bei der Sanierung der Wutachhalle sind Mängel an der Bausubstanz aufgetreten, sehr zur Überraschung der Verantwortlichen. Als "nicht vorhersehbar" werden sie von Planer und Gemeinde eingestuft. Diese Einschätzung darf durchaus als gewagt bezeichnet werden, ist aus deren Sicht natürlich nachvollziehbar, steht allerdings in diametralem Gegensatz zu Warnungen, die es seit Beginn der Sanierungsdebatte immer wieder gab. Schon bei den Treffen mit den Vereinsvertretern vor mehr als zwei Jahren wurde die Frage gestellt, unter anderem von mir, ob nicht ein Neubau die bessere Alternative wäre, angesichts der offensichtlich maroden Substanz des gesamten Gebäudes. Jeder, wirklich jeder, der mit der Halle in irgendeiner Weise zu tun hatte, wusste darum. Um es auf den Punkt zu bringen: Der Boden war überragend, der Rest mehr als bescheiden. Kein Wunder, immerhin hat der Trakt ja mittlerweile ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel. Trotzdem bekamen wir von offizieller Seite zu hören, der Zustand sei insgesamt gut und erhaltenswert, alles sei bis ins Detail geprüft.

Das erweist sich jetzt bedauerlicherweise als Trugschluss. Zusatzkosten von mehr als 100 000 Euro fallen an. Für das Dach, dessen angebliche Intaktheit bis dato stets als einer der Hauptgründe für den Erhalt des bestehenden Komplexes genannt wurde. Womit wir beim zweiten Aspekt dieser zusätzlichen Kosten wären. Die Defizite des Dachs rühren laut Planer Daniel Wiest von einer teilweisen schiefgelaufenen Sanierung vor knapp 20 Jahren her.

Damit liegt er nach meiner Einschätzung absolut richtig, und dieses fatale Resultat war schon damals abzusehen und sogar zu erriechen und zu spüren. Nachdem die Glasfassade und das Dach neu gestaltet wurden, wurde es stickig in der Halle. Die Luftfeuchtigkeit stieg in ungeahnte Höhen, und es roch stark nach Chlor. Der Grund: Die feuchtwarme Luft vom Hallenbad staute sich im Hallenraum, davon machte sich der damalige Gemeinderat mit Bürgermeister Fritz und dem zuständigen Architekten Ewald Gut bei einem Vororttermin ein Bild. Vorher zog sie durch die vielen mehr oder weniger undichten Stellen im alten Kubus ab.

Die damalige Hallenbetreuerin wurde von der Gemeinde beauftragt, täglich für Stoßlüftung zu sorgen. Es lag auf der Hand, dass diese Maßnahme nicht reichen würde. Wir, von der Gemeinderatsliste "Wutach 2000", haben dies moniert und Architekt Gut nach einer echten Lösung gefragt, beispielsweise einer Dampfsperre zwischen Schwimmbad und Halle. Gut erklärte, dies sei nicht notwendig. Ich habe anschließend in einer Gemeinderatssitzung den Antrag gestellt, diese fragwürdige Bewertung gegenüber dem Rathaus wenigstens schriftlich zu bestätigen, um bei einem Schadensfall etwas in der Hand zu haben. Ob dies umgesetzt wurde, weiß ich nicht. Wie dem auch sei: Das betrübliche Resultat präsentierte sich schon nach relativ kurzer Zeit, gerade im Winter. Eiszapfen an der Dachkonstruktion zeugten vom Austritt der feuchtwarmen Luft, Farbe und Putz lösten sich – das finale Ergebnis sehen wir jetzt.

Und damit wieder zur aktuellen Situation: Meines Erachtens hat man eine große Chance verpasst, mit einem Neubau einen echten Schritt in die Zukunft zu gehen und eine Halle in Wutach zu erstellen, deren Nutzungsmöglichkeiten über die bisherigen hinausreichen. Selbstverständlich spielen die Kosten eine elementare Rolle in dieser Diskussion, doch auch hier fehlt eine klare Linie. Bei der ersten Infoveranstaltung für Vereine hieß es, ein Neubau würde 2,6 Millionen Euro verschlingen, und diese Summe sei völlig untragbar für die Gemeinde. Nun, im Haushalt sind eben diese 2,6 Millionen für die Sanierung eingepreist. Die schon damals von etlichen Bürgern aufgestellte These, der Umbau werde noch viele kostspielige Überraschungen mit sich bringen, so wie es eben bei Umbauten die Regel ist, und damit so teuer wie ein Neubau, scheint sich zu bewahrheiten. Schade!

Stefan Kech, Ewattingen