Leserbriefe

Barbara Baur (St. Blasien )

Von Barbara Baur (St. Blasien )

Mi, 07. April 2021

St. Blasien

GEPLANTES GIPFELKREUZ
Das braucht der Lehenkopf nicht
Zu unserem Artikel "Ein mächtiges Kreuz für den Lehenkopf" vom 11. April
Was die einen tief berührt, mag den anderen eher als alpenländische Folklore erscheinen oder als religiöses Symbol, das nicht mit weltanschaulicher Neutralität vereinbar ist – die Rede ist vom Bestreben einer privaten Initiatorin, auf dem Lehenkopf ein etwa fünf Meter hohes Holzkreuz eines Südtiroler Schnitzers aufstellen zu lassen, an dem sich ein gekreuzigter Corpus Christi windet. Grundsätzlich ist jede Form von Engagement zu begrüßen. Aber der Lehenkopf wird bereits durch den gleichnamigen, 1886 errichteten Aussichtsturm eingenommen, der von den Anfängen des Kurortes und des Fremdenverkehrs im Schwarzwald erzählt. Eine wunderbare Szenerie und eine Aussage, die keiner Ergänzung bedarf. Unabhängig davon stellt sich die Frage, inwieweit das Neu-Anbringen sakraler Kunst im öffentlichen Raum, in diesem Fall in baden-württembergischem Staatswald, überhaupt eine Berechtigung hat. Ohne Frage gehören Marterl und Gipfelkreuze zu unserer Landschaft, repräsentieren lokale Geschichte und abendländische Tradition oder können einfach nur als Markierung eines Ziels gedeutet werden. Man kann es aber auch wie der Bergsteiger Reinhold Messner sehen, der sich zum Aufstellen von Gipfelkreuzen wie folgt geäußert hat: "Das Kreuz ist das christliche Symbol schlechthin, dieses gehört meiner Meinung nach aber nicht auf einen Gipfel. Ich spreche nicht von Missbrauch, ich sage nur, man sollte die Berge nicht zu religiösen Zwecken möblieren. Die Berge, die doch der ganzen Menschheit gehören, sollten nicht mit einer bestimmten Weltanschauung verknüpft oder besetzt werden." Barbara Baur, St. Blasien